Übersicht διδ. διατρ. στη Φιλοσοφία

Übersicht

Dissertation, die in dem Fachbereich der Philosophie der Fakultät für Philosophie, Pädagogik und Psychologie der Universität von Ioannina vorgelegt wurde [Gesamtzahl der Wörter in dem Hauptteil der Arbeit, (inklusive der Fußnoten): 173.189].

Entscheidungstheorie (decision theory):

Das Hauptproblem der Entscheidungstheorie ist die Konzeption und die Konstruktion von Kriterien für die Selektion einer “idealen” bzw. einer “rationalen” alternativen Handlung in Handlungsfällen oder in mehreren Entscheidungsfällen. Die Breite der Entscheidungstheorie, insbesondere die Abgrenzung ihres Gegenstands im Rahmen des menschlichen Verhaltens, wählt eine Entscheidung aus einem Entscheidungsspektrum aus, woraus sich mehrere Folgen ergeben. Der Entscheider hat im Großen und Ganzen nicht die volle Übersicht über die Faktoren, welche die Folgen (das Ergebnis) seiner Entscheidung bestimmen. Außer der ausgewählten Handlungsweise, hängt der Ausgang von mehreren oder wenigeren umgebenden Faktoren ab, die allerdings vom Entscheider nicht zu bestimmen sind. Man geht von einem hauptsächlich schon bekannten Abhängigkeitsverhältnis der möglichen Ergebnisse von den möglichen Handlungsweisen und den möglichen Bedingungen aus. Gemäß den Informationen über die “tatsächlichen” umgebenden Umstände kann man zwischen „bewussten“ und “unbewussten” Situationen unterscheiden. Bei den ersteren geht es um ein Entscheidungsverfahren, wo der Entscheider weiß, worin die umgebenden Umstände eigentlich bestehen. Bei den letzteren kann man je nach dem Typ der “Unbewusstheit” weiter unterscheiden zwischen a) Risiko – b) Spiel – und c) unbewussten Situationen im engeren Sinne. [H. Schneeweiss, Entscheidungskriterien bei Risiko, 1966].

Entscheidung (De-cisio):

“Die Handlung bzw. der Prozess der Scheidung oder der Trennung, woraus sich ein Weltbild herausbildet, das die für die Selbsterhaltung notwendige Orientierungsfähigkeit gewährleisten kann. Vor der Entscheidung existiert keine Welt als deutlich geordnetes Ganzes im Bewusstsein eines bestimmten Subjekts, nämlich eines Subjekts mit einer bestimmten Position innerhalb dieses Ganzen. Es gibt nur eine ursprüngliche Welt, nämlich eine heterogene Menge oder eine mehr oder weniger lose gekoppelte Gesamtheit von zunächst gleichwertigen Materialien, Eindrücken, Bewegungen und Tendenzen, die innerhalb dieses sinnlosen, ursprünglichen Zustands weder einen glaubwürdigen Orientierungsrahmen bereitstellen noch Erfolg versprechende Handlungen bewirken oder nachträglich rechtfertigen können. Durch die Handlung bzw. den Prozess der Trennung hört die Gleichwertigkeit der Bestandteile dieser ursprünglichen Welt auf und sie unterscheiden sich in interessante und uninteressante, höher- und geringwertige, wobei die Ersteren zugleich die Grundlage eines kosmologischen Entwurfs darstellen”.

 

Wenn es eine Zielsetzung gab, um die sich die als aufklärerische bekannte philosophische Tradition intensiv bemühte, bestand sie mit Sicherheit im Versuch, mittels des Rationalismus eine mögliche Wertobjektivität zu entdecken, nämlich nicht nur den Inhalt der Werte, sondern jeglichen Hinweis auf den Wertegebiet in Zusammenhang mit einem Objektivitätsbegriff sinnlich zu konstituieren, soweit dies möglich war. Viele Repräsentanten der Modernitätsphilosophie, sowohl Autoren und Historiker der philosophischen Ideen und Strömungen als auch einzelne Gelehrte, lehnten die Annahme ab, dass die Werte generell (d.h. unabhängig vom Inhalt, den man ihnen zuschreibt) rational beweisbare und ethisch (aus einer moralischen Perspektive her) eigentlich verbindliche Prinzipien darstellen und stellten folgende Punkte in Frage:

 

  1. in wiefern die Rationalisierung der Werte tatsächlich erreicht worden ist (Autoren wie Nietzsche)

 

und

 

2 in wiefern diese Rationalisierung der Werte im Endeffekt nützlich ist, im Verhältnis zum Beitrag der Philosophie als derjenige reflektive Rahmen dialektischer Prüfung des Wertekomplexes seit seiner Entstehung bis seine Verknüpfung mit dem ethisch-gesetzlichen Besitzstand/Forderung aber auch mit rechtlich-normativen Regeln sittlicher Natur.

Innerhalb der modernen philosophischen diskursiven Behandlung von Wertfragen wird eigentlich mal bloß die alte Auseinandersetzung zwischen Kallikles und Sokrates in Gorgias zur Anwendung des “Naturrechts” (im Sinne eines zyklopischen Rechtskonzepts) gegenüber einer konventionellen Moral des politischen Gesetzes reproduziert – natürlich in einer entwickelten argumentativem Form – mal die Möglichkeit einer Moralwissenschaft radikal in Frage gestellt und mal schließlich vom Tödesröcheln des Rationalismus gesprochen, Rückgrat jedes Wertediskurses mit dem modernen Ziel, die Schwäche der aufklärerischen philosophischen Tradition darzustellen, nämlich eine philosophisch stabile, ethisch-moralische und soziologische Anthropologie mit Hinweisen auf den Wertebereich zugrunde zu legen. Der Widerspruch gegen eine moralische/wertbezogene, normative Betrachtung entwickelt sich heute sowohl auf der Ebene des Versuchs der Förderung der klassischen Spieltheorie (wo der Begriff einer normativen moralischen Ethik völlig fehlt) anhand von Ansätzen von Theoretikern der klassischen politischen Philosophie, als auch aus einer meta-keynsianischen monetaristischen neoliberalen interpretativen Perspektive, in der Begriffe wie wirtschaftliches Interessengleichgewicht, das zu einer Sanierung der internen Wirtschaftspolitik führt (verborgener Organizismus), Veränderung, wirtschaftliche Normalisierung/Wachstum, wirtschaftsfinanzielle Disziplin, Interesse (als absolute interpretative Konstante), gegenseitige Gewinnerwartungen, Bedingungen gemeinsamer Kenntnis über Handelsaustausche oder -abkommen herrschen. In Anbetracht der Oberen list natürlich jedem deutlich, der eine wenn auch immer grobe Kenntnis des Produktionsvolumens philosophischer Texte hat, dass der Diskurs über Wertfragen in der Philosophie offen ist und bleiben wird, gleich wie es für die philosophische Reflexion typisch ist, zu wachsen, selbst wenn Teil dieser Gedankenproduktion von modernen Forschern als „rationaler Meinungsaustausch“ und “Ansichtspluralismus” bezeichnet wird. Zum Diskurs trägt natürlich auch die Formulierung von Argumenten seitens der kritischen (rational oder nicht, das spielt hier keine Rolle) Theorie bei, woher die Hauptargumentation gegen den neoliberalen wirtschaftssozialen Ansatz stammt und weiter geäußert wird. Der vorliegende Text soll Teil dieses Diskurs werden, mit dem ehrgeizigen Ziel – und das will ich hier nachdrücklich betonen – zur Argumentation beizutragen, dass die Werte – soweit sie sich im philosophischen Diskurs sowie im Verhältnis zwischen der Gesellschaft, der Philosophie und dem historischen Subjekt qualifiziert haben – das rechtmäßige politische Leben regeln, indem sie Begriffe und “Stellungen” wie Gerechtigkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichheit, Solidarität, Vorrang der Verteidigung der individuellen und sozialen Rechte gegenüber ihrer Verachtung und Herabsetzung seitens des sozialen Souveräns usw. nicht einfach an die Spitze eines geordneten sozialen und politischen Lebens stellen, sondern sie als Teil des Konstitutions- und Reproduktionsverfahren jenes geordneten sozialen und politischen Lebens betrachten.

Einer der Denker, der den für erfolgreich gehaltenen Versuch des aufklärerischen philosophischen Unternehmens einer „Rationalisierung der Werte“ und die mit ihm zusammenhängende Normativität in Frage stellte, war P. Kondylis. Seine Gedanken wurden von einer Menge von Denkern, Historikern der Philosophie und vom “einfachen” Publikum der Philosophie im Allgemeinen studiert, diskutiert, einerseits heftig kritisiert und andererseits gern angenommen. Warum nimmt jedoch die Diskussion über Kondylis im Allgemeinen immer größere Dimensionen an und (insbesondere) unter welchen Bedingungen soll die Forschung dieser Diskussion stattfinden? Einfacher: Warum wurde sein Werk so viel und so heftig kritisiert? Ist der Diskurs über den primär Philosophen und später politischen Denker eine Bestätigung seiner Meinung zur “Verfeinerung der Argumente von den entgegen gesetzten Seiten”? Werden also die so breite Befassung mit und die Kritik an seinem Werk seiner Einschätzung gerecht, dass “das normative Denken sich in Krise befindet, dass es sich durch seine Polemik gegen die [deskriptive Entscheidungstheorie] bestätigen will und nach Sündeböcken sucht oder stellen sie” eher eine prüfende Diskussion als eine “Gegenargumentation” gegen Kondylis’ Äußerungen dar, was aufgrund der schon gut strukturierten kondylisschen Argumentation deutlich als Forderung einer umfassenderen Formulierung des kondylisschen philosophischen Ansatzes betrachtet wird? Dieser (und vielen anderen) Fragen soll die vorliegende Dissertation systematisch nachgehen. Dabei wird in Betracht gezogen, dass P. Kondylis nicht nur die philosophische Tradition kannte, aus der er seine „eigene“ deskriptive Entscheidungstheorie in seinen Werken IA, EIA, HIO und in den relevanten Aufsätzen, herauszuziehen versuchte, sondern auch die entsprechende Tradition, die als die “Gegenposition” zu bezeichnen wäre. Kondylis war nicht ein Denker, der seine Gedanken leicht, mühelos und ohne über eine tiefe Kenntnis der Geschichte der Philosophie, ihrer Begrifflichkeit und ihrer Entwicklung bis seine Zeit zu verfügen, vorgelegt hat. Das ergibt sich nicht nur aus der Breite seines Werks, das er mit Hilfe seiner vielfältigen Kenntnisse angefertigt hat, sondern auch aus der mentalen Umgehensweise mit seinem geistigen Material, da er fast die ganze neuzeitliche, westliche philosophische Tradition unter dem allgemeinen Titel von zwei Aufklärungen organisieren konnte. Diese Kenntnisreiche sowie seine geistige Reife sind zugleich eine Herausforderung für den Forscher der Vorlegung einer möglichst angemessenen entsprechenden Kritik, nicht sosehr gemäß der Forderung einer Überwindung der Größe und der Bedeutung des “kondylisschen geistigen Gepäcks”, sondern eher in Hinsicht auf die Argumentation, die unter dem Gewicht jenes Gepäcks vorgelegt wird. Einfacher: Es ist nicht das Volumen dieses Gepäcks, woraus sich die Anstrebung für Konsequenz der Argumente gegen Kondylis ergibt, sondern die Formulierung der Argumente, die Kondylis vorgelegt hat, um seine Stellungen zu verteidigen, im Zusammenhang mit dem “Gepäck”, das er für Lektüre und natürlich (selbst wenn selber dies nicht wollte) für Kritik zur Verfügung stellte.

Wie kann man allerdings die obere Annahme unterstützen und was kann ihre Wissenschaftlichkeit legitimieren, damit sie gleichzeitig forscherisch fruchtbar wird? Ziel der vorliegenden Dissertation ist unter anderem, zu belegen, dass es unmöglich ist, den wissenstheoretischen Skeptizismus vom Wertrelativismus auseinanderzuhalten, wie Kondylis versucht hat, und gleichzeitig darzustellen, dass Kondylis’ Ansatz nicht strikt deskriptiv bleiben kann – wie es weiter oben erwähnt wurde und Kondylis selber wollte. Somit soll die Normativität seiner Theorie sichtbar werden, in Hinsicht auf den Wertstatus, den Kondylis im Endeffekt selber konstituiert, indem er die Macht zu absolutem interpretativen Konzept erhebt und ihr wissenschaftlichen Wert zukommen lässt. Gleichzeitig wird das Vorhaben, jeden Wertstatus zugrunde zu legen, vom Relativismus verhindert, der aus einer vorsichtigen Lektüre der kondylisschen Positionen auftaucht. Auf der Grundlage der oberen Verletzung des Widerspruchslosigkeitsprinzips untersucht die vorliegende Schrift die Implikationen der kondylisschen Normativität, in Bezug auf die Frage, in wiefern letztendlich die von der Aufklärerischen philosophischen Tradition vollzogene Wertrationalisierung ein sicheres Instrumentarium für die Konstruktion soziologischer interpretativer Forschungsprogramme darstellt zur Vermeidung der kondylisschen (unter Bedingungen zwangsläufig) monologischen Normativität, in Hinsicht darüber hinaus auf ein wertbezogenes, reflektives Denken, der den Forschungsgegenstand nicht nur untersucht, sondern auch konstituiert. Vorausgesetzt, dass die Werte nicht außerhalb von irgendwelchem sozialen Prozess untersucht werden können, selbst wenn wir den kondylisschen Einwand annehmen, dass die Werte als metaphysische Konzepte im kantianischen Sinn sowie die Ideologien ihren Inhalt nur innerhalb der “konstitutiven Polemik” gewinnen, im gleichen Sinne wie die Thesen ihren Sinn nur als Gegenthesen herausbilden und “das existentielle Problem der Feindlichkeit der theoretischen Frage nach der Wahrheit voraus kommt”, kann praktisch nicht geleugnet werden, dass ihr Charakter konstitutiv sowohl für die soziale Struktur (als “strukturelle Prinzipien” der jeweiligen Handlung innerhalb der “Gesellschaft”) als auch für die wissenschaftliche Forschung ist. Die Ideen/Konzepte nämlich tragen zur Konstitution und Reproduktion der politischen Gesellschaft bei, ungeachtet ob ihnen ein objektiver Inhalt zugeschrieben wird oder nicht, womit die kondylissche Theorie generell zustimmt. Das wesentliche Problem der vorliegenden Schrift bleibt, ob letztendlich die Werterationalisierung von den kondylisschen Formulierungen unangetastet bleibt, damit die Rede über die Werte die jeweiligen relativistischen Einschübe überwinden kann, und somit als sicherer und glaubwürdiger Teil der Konstitution der Methodologie und zugleich des Gegenstands der soziologischen Forschung fungieren kann. Einfacher: Wenn die Rationalität einer Wertephilosophie (zunächst auf Begriffsebene) belegt werden kann, können dann die Werte (die, als Konzepte, zur Strukturierung der Fundamente des Sozialen beitragen) als vollständige methodologische Instrumente der soziologischen Forschung dienen und so zu ihrer Objektivität beitragen, solange natürlich eine Interaktion zwischen diesen beiden akzeptabel ist. So, ausgegangen von der Gegenseite der deskriptiven Entscheidungstheorie und der Wertfreiheit, auf die sich die vorliegende Dissertation sich beruft (oder besser auf der “Befreiung” von der Macht der Verbindlichkeit der Wertaussagen, auf die sie sich beruft), soll sie eigentlich eine beinhaltende Wertetheorie reformulieren, nämlich eine kritische, dialektische, interpretative Auseinandersetzung mit der Konstitution und der Funktion der sozialen Macht als Projektionsmechanismus von Interessen, Ideen, normativen Programmen usw.), mit Hinweisen (als Kritikanlässe) primär auf die Restauration der Verknüpfung von Bewertung und sozialen Institutionen (solange natürlich dies möglich ist) und sekundär auf das marxsche Werk, welche zugleich als Interpretationsinstrument der sinnvollen Institutionalismen der Gesellschaft sowie (und insbesondere) als archimedischer Punkt einer dauerhaften Kritik am fundamentalen Prozess der Konstitution jener Institutionalismen dienen werden und an dem, was dies impliziert (rechtspolitische Dimension des menschlichen Handelns, bestehendes Rechtsregime, Fundierung der Möglichkeit, objektive moralische Aussagen in Form von Entscheidungen zu formulieren, -eigentlich die Verbindlichkeitsmacht einer Wertethik im Sinne ihres Einschlusses in die Formulierungsformen des jeweiligen rechtlichen Rahmens, Interpretation der Entstehungsbedingungen der Werte als Konstitutionsrahmen der oberen Rechtsformulierungen usw.). Auf einer solchen Auseinandersetzung mit dem kondylisschen Werk beruht die Tatsache, dass das Geraten in Relativismus, das sich aus der Übernahme des Relativismus seitens Kondylis ergibt, eine Herausforderung der von vielen Moral- und Politikphilosophen für selbstverständlich gehaltenen innewohnende Fragestellung nach der Zugrundelegung und Rechtfertigung der moralischen, normativen Überzeugungen darstellen, die einerseits als Gewährleistung richtigen Handelns innerhalb der Gesellschaft dienen und andererseits als konstitutive Begriffe des bestehenden rechtsinstitutionellen Rahmens fungieren sollen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die institutionell etablierten normativen Überzeugungen nicht Kompromissprodukte darstellen, da sie mehrmals als Ergebnis eines Ausgleichs von Werten, Erwartungen und/oder Zielsetzungen/Strategien (oder zumindest eines Versuchs eines solchen Ausgleichs) des (immer diskutierenden und handelnden) Subjekts entstehen, vorausgesetzt natürlich, dass man von demokratischen, organisierten politischen Systemen ausgeht. Die vermutlichen angestrebten Ziele eines demokratischen Systems (wie z.B. Freiheit, Gleichheit, Isopolitie und Isonomie) werden im kondylisschen Werk als Gegebenheiten betrachtet, worauf die Politik beruht, um sie sicherzustellen (und zwar laut dem Anspruch einer Sicherstellung der möglichst größeren Macht, mit dem Endergebnis, sie außer Acht zu lassen) und nicht als Voraussetzungen, die theoretischer Zugrundelegung bedürfen, Voraussetzungen, derer Inhalt, nämlich Objektivität und dergleichen, erneut stärker mittels der philosophischen Reflexion in Anspruch genommen werden müssen, da die Möglichkeit, dass sie nicht hinreichend zugrunde gelegt werden, gleichzeitig die Anstrebung verhindert, dass sie als festes Fundament für die Strukturierung eines demokratischen institutionellen Rahmens mit verallgemeinerter Gültigkeit und Inhalt, eines „Staates für Alle“, laut Hegel dienen. Konkreter: Alles was Kondylis zu forschen vermeidet, indem er es durch seine Einführung der Unterscheidung zwischen moralischem/wertbezogenem (eigentlich normativem) Denken und deskriptiver wissenschaftlicher Neutralität dem Wissensbereich der – nach ihm unwissenschaftlicher – Moralphilosophie zuordnet, nämlich Fragen hinsichtlich der hinreichenden Zugrundelegung von Konzepten und Regeln, wie die oben genannten, nicht nur den Streitgegenstand des philosophischen Diskurses, sondern die Gründungsbedingung des philosophisch-politischen Denkens an sich darstellt. Einfacher: Gibt es politisch richtiges Entscheiden und wenn ja, welche sind die Bedingungen, die dazu führen? Sind die moralischen Aussagen wissenschaftliche Aussagen? Wenn ja, wie können die philosophischen Betrachtungen, welche von einer Möglichkeit richtiger Wertformulierungen im Bezug auf den Wertebereich ausgehen, zur Wissenschaftlichkeit des soziologischen Denkens und der Politischen Philosophie beitragen, damit letztere als Wegzeichen richtigen Handelns innerhalb der politischen Gemeinschaft dienen? Es gibt natürlich einen großen Spektrum von Problemen richtigen Handelns (und insbesondere politischen Handelns) und eine Studie wie die vorliegende kann nicht auf alle ihre vielfältigen Äußerungsformen gehen. Dieser Text soll allerdings Teil des bisherigen systematischen Dialogs werden, indem er die Tatsache genau in Betracht zieht, dass der Pluralismus, den letzterer aufweist, keinesfalls auch Annahme des theoretischen, philosophisch-politischen Relativismus bedeutet, sondern umgekehrt: Mit dem Ziel, eine die relevanten Ansätze beinhaltende perspektivistische Antwort auf die wissenschaftlichen Desiderata zu geben, die ein politisches Denken mit Hinweisen auf das Widerspruchslosigkeitsprinzip anstrebt, dessen Ausgangspunkt der aus dem Werk von Marx stammende kritische Rationalismus bleibt, wird wenn nicht nach einem Einklang mit einem objektiv akzeptierten Rationalitätskonzept zumindest nach einer Distanzierung von jedem Subjektivismus und methodologischem Individualismus gesucht. Die wissenschaftliche und forscherische Fruchtbarkeit, welche die Anfertigung der vorliegenden Dissertation anstrebt (damit die oberen Fragestellungen systematischer behandelt werden), wird darüber hinaus aufgrund der „dringenden“ Notwendigkeit für Evaluation der sich in embryonaler Phase befindenden und noch unsystematisierten, mit dem kondylisschen philosophischen Denken zusammenhängenden, relevanten griechischen Literatur erfordert, und insbesondere wenn man die Tatsache in Betracht nimmt, dass großer Teil des geistigen Werks von Kondylis noch unveröffentlicht bleibt: Unübersetzte Werke, Kommentare und einzelne Bruchstücke des Denkens von P.Kondylis bleiben unveröffentlicht und somit momentan unzugänglich, was zugleich ihre Forschung, natürlich nicht im Rahmen einer “radical interpretation”, sondern (bzw. eher) einer kritischen Auseinandersetzung mit der bereits vorhandenen kritischen interpretativen Produktion des kondylisschen Werks, unmöglich macht. In Hinsicht auf die Oberen ist es selbstverständlich, dass der Weg zu einem systematischeren Diskurs über das gesamte Werk von P. Kondylis noch lang ist. Der vorliegende Text soll jedoch als Ausgangspunkt einer breiteren, verallgemeinerten Forschung im Bezug auf das Werk jenes olympischen Denkers dienen.

Die Untersuchung der philosophischen Voraussetzungen für die Konstitution der deskriptiven Entscheidungstheorie, und insbesondere die kritische Prüfung der Methodologie jener Theorie ist Teil der umfassenderen Frage, ob und inwiefern letztendlich das kondylissche Denken normativ ist. So sollte die Kristallisierung der Macht als anthropologische Konstante, die als Grundlage für die Interpretation des sozialpolitischen Geschehens von Kondylis dient und zugleich das absolute Interpretationsinstrument dieses Geschehens darstellt, in der philosophischen Anthropologie Hobbes’ und im Verknüpfungsausmaß dieser Anthropologie mit der Konstitution der politischen Gesellschaft gesucht werden. Die anthropologischen Parameter der hobbesschen theoretischen Konstruktion sind diejenigen, die (nach Hobbes) auch als konstitutive Bedingung der politischen Gemeinschaft dienen. Die Angst –uraltes Gefühl- die Anstrebung, die individuelle Macht durch die Erzeugung von Leviathan als Mittel zur Erzielung von Frieden und Einigkeit zu erhöhen, der Selbsterhaltungsinstinkt (conatus ad suum persevere) führen den hobbesschen Mensch beim Handeln zur Überwindung seiner egoistischen Motive. Der hobbessche Selbsterhaltungsidealtyp geht nicht verloren, da er, als Kern der sozialen Theorie des Britischen Philosophen, als theoretische idealtypische Vorbedingung dient, ohne welche die Hauptthese jenes Ansatzes morphologisch sowie inhaltlich nicht entwickelt werden kann. Unabhängig davon, ob Hobbes’ Ziel die Überwindung der egoistischen Beweggründe zugunsten eines gemeinsamen Behagens, Friedens etc. ist, stellt sein methodologisches Instrumentarium anhand einer willkürlichen Verwendung der Grundkonzepte (Dezisionismus) den Egoismus ins Zentrum seiner Theorie und setzt somit (als ethisch) den Behagensanspruch herab, ungeachtet wie dieses Behagen letztendlich konzipiert werden kann. Ziel dieser Dissertation ist demnach unter anderem den Zusammenhangsausmaß zwischen der hobbesschen und der kondylisschen Willkür in Hinsicht auf die Konstruktion wissenschaftlicher Idealtype darzustellen, indem sie in Betracht zieht, dass die gemeinsame Drehungsachse dieses Zusammenhangs die miteinander verwandten Begriffe beider Theorien ist.

Kondylis’ wissenschaftstheoretisches Denken hat – wie selber es ausgesprochen anerkennt – M. Weber viel zu verdanken. Jenes Denken soll – wie weiter ausführlich darzustellen ist – als Teil des Kerns der sozialen Theorie des Autors des Werks Das Politisch und der Mensch kritisch geprüft werden. Was bedeutet laut Kondylis wissenschaftliche Erklärung und wie wird sie – wenn überhaupt – möglich? Bleibt er konsequent mit den wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen, die er bei der Formulierung seiner Stellungen mal selber setzt und mal vom Deutschen Soziologen übernimmt? Das webersche Konstruktionsmodel der kausalen Handlung beinhaltet als Bestandteil eine teleologische Wahrnehmung der Beweggründe des handelnden Subjekts (ein seinem Ziel gemäß rationales Verhalten, dessen Achse die Erfüllung der jeweiligen Zielsetzung ist, je nach ihrer Vorkonzeption), eine Stellung, der man (natürlich in entwickelter und differenzierter Form) in der kondylisschen Anthropologie begegnet als Anerkennung der Existenz von Zwecken, welche die Typologie der Handlung regeln (Machtverstärkung, Orientierung des eigenen Verhaltens am weiteren Ziel der Lustempfindung, Verfolgung der Interpretationsmonopol usw.). Unter welchen Bedingungen wird der Zusammenhang zwischen beiden interpretiert? Inwiefern unterscheiden sich die wissenschaftstheoretischen Ansätze beider Denker voneinander und aus welchen Gründen soll man bei der Lektüre von Kondylis’ Werken Weber in Betracht ziehen? Diesen Fragen soll die vorliegende Studie nachgehen.

Von Carl Schmitt schließlich übernimmt Kondylis das Erklärungsschema Freund-Feind. Kondylis’ Verhältnis zum Deutschen Politikphilosophen und Experten in den öffentlichen internationalen Beziehungen begrenzt sich primär in Vorworten, Schlüssen und kritischen Bemerkungen auf seinen Werken und könnte einleitend als „konsensuell“ bezeichnet werden, wobei er unausgesprochen die Stellungen des letzteren übernimmt. Wie geht allerdings Kondylis mit den hauptsächlichen begrifflichen Schemata (und vor allem mit dem Freund-Feind Schema) um, welche ist die Bedeutung jenes Schemas für seine allgemeine Betrachtungsweise – und insbesondere in seinem Werk Soziale Ontologie – und wo liegt der Punkt in seiner Argumentation, wo die Verwendung einer so fragilen (wie weiter unten darzustellen ist) interpretativen Grundlage seine kompakte interne Struktur zerreißen lässt? Diese sind manche Fragestellungen, welche die vorliegende Schrift behandeln soll.

Zum Schluss, und wenn man Kondylis’ Dissertation Entstehung der Dialektik, nämlich seinen ersten fundierten und umfangreichen historisch-philosophischen Text wahrnimmt, ist leicht einzusehen, dass er sich nicht nur von den obengenannten Quellen, sondern auch von den Identitätsphilosophen sowie von Sad and La Mettrie beeinflussen ließ. Es soll allerdings darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Antwort auf die oben gestellten Fragen nicht in dem Versuch besteht, Kondylis’ philosophische Vorgänger festzulegen und die Einflusse seines Denkens im Rahmen einer “referenziellen Wirkungsanalyse” darzustellen, sondern zu einer aufrichtigen Kritik an den Voraussetzungen seines philosophischen Werks beiträgt. Konkreter noch: Die vorliegende Dissertation hält – oder zumindest soll – absolut nichts für Gegeben. Dagegen untersucht sie kritisch die Geschichte der kondylisschen Begrifflichkeit vor ihrer endlichen Vorlegung in seinem Werk, ausgehend davon, dass es keine Parthenogenese weder in der Philosophie noch in irgendeiner anderen Wissenschaft gibt. Aus diesem und aus vielen anderen Gründen (wie z.B. der innewohnenden Bedenklichkeit hinsichtlich der Fähigkeiten und der Grenzen „des“ [L]ogos) wird fast jeder von Kondylis wiedereingeführte philosophische Begriff in Bezug sowohl auf Kondylis’ eigene systematische Betrachtung „der Dinge“ als auch auf seine Rolle (oder auf die Rolle der relevanten Begriffe, solange natürlich diese Relevanz sich belegen lässt) in ihrem zeitlich vorherigen theoretischen Rahmen untersucht, von dem er stammt, um seine begriffliche Abhängigkeit festzulegen. Diese Abhängigkeit kann nicht als “Wirkungsanalyse” bezeichnet, da die Festlegung der Unterschiede zur Verselbstständigung der “philosophischen Identität” des kondylisschen Denkens und seiner Begrifflichkeit führt (im Sinne, dass das Selbe [Tauton] nur hinsichtlich des Anderen [Heteron] zu definieren ist), d.h. dass die Verwendungsweise seiner Begrifflichkeit innerhalb sowie außerhalb des kondylisschen Kontextes (z.B. in der relevanten Literatur und in der Kunst, wo man einer mit den kondylisschen Stellungen relevanten Begrifflichkeit begegnet) deutlicher wird. Zentrale Achse des Vorhabens der vorliegenden Schrift bleibt die Forschung der philosophischen Identität der kondylisschen Begrifflichkeit immer in Hinsicht auf ihre Verwendung innerhalb ihres Kontextes (und insbesondere in den Werken, wo Kondylis als Ideenkritiker erscheint) mit dem Ziel, durch die Festlegung der Tautologien, Widersprüche und Selbstreferenzen, ihren realizistischen, irrationalen und eigentlich absolutistischen Charakter darzustellen.

Th. Hobbes ist zweifellos einer der Gründer des modernen Individualismus. Seine naturalisierte, mechanistisch-materialistische Philosophie stellt ein klassisches Beispiel (gemeinsam mit dem Beispiel des atheisten “Spinoza”) des Zusammenhangs zwischen einer materialistischen, atheistischen Wahrnehmung des “Seins” zum einen und eines Idealismus des politischen Ideals zum anderen. Laut Hobbes ist die Tatsache, dass das Individuum als Individuum eine vom übrigen Ganzen unterscheidbare Einheit sowohl als handelndes Subjekt als auch als theoretischer Forschungsgegenstand seiner philosophisch-politischen Theorie darstellt, von grundlegender Bedeutung für die Konstitution der politischen Gemeinschaft. Hobbes, der sein Werk inmitten der Konfrontation zwischen Anglikanern und Puritanern und während des Bürgerkriegs in Großbritannien schreibt, bestrebt die theoretische Zugrundelegung seines sozialen Konsensismus mittels einer konformistischen Denkweise, die er durch die Konzeption des sozialen Vertrags in sein theoretisches Konstrukt einführt. Diesen Konstitutionsprozess der politischen Gemeinschaft wird Hobbes versuchen, wissenschaftlich zu erklären, ausgehend davon, dass diese bestimmte Problematik nur wissenschaftlich behandelt werden kann; mit anderen Worten, dass es dabei um eine Fragestellung geht, die nur wissenschaftlich beantwortet werden kann. Um dies zu erreichen, führt Hobbes, einer der Gründer des Bedürfnisses nach Distanzierung sowohl der Politikwissenschaft als auch der Staatsgewalt vom religiösen Autoritätsprozess, ein mentales Experiment aus, welches auf zwei Hauptannahmen beruht: Einerseits darauf, dass der Selbsterhaltungsinstinkt   ein fundamentales Merkmal des Menschen darstellt und andererseits dass die Angst die Grundbedingung der Konstitution der politischen Gemeinschaft ist. Jene anthropologische Parameter (die Selbsterhaltung und an zweiter Stelle das Angstgefühl) des hobbesschen Denkens sind konstitutive Bedingungen der politischen Gemeinschaft, nämlich des Leviathans. Im Staat, wo die Angst herrschte, behauptet Hobbes, stellte jeder Mensch eine Bedrohung für seinen Mitmenschen dar. Aufgrund dieser innewohnenden Reaktionsbereitschaft setzte die der menschlichen Natur gebührliche Rationalität, die zur Entdeckung des ursprünglichen Naturgesetzes führte, die Konstitution der politischen Gemeinschaft durch, wo der Selbsterhaltungsinstinkt einen gesunden und nützlichen Ausdruck finden würde. Zunächst ist zu bemerken, dass diese Vergleichung des natürlichen Zustands mit dem Konzept des dauerhaften Kriegs auch in der kondylisschen Betrachtung der [wenn auch potentiell] durch Feindlichkeit gekennzeichneten Weltanschauung eines in Bezug auf diese Weltanschauung unterschiedlichen sozialen Wesens zu finden ist. Das hobbessche Interpretationsmuster “Alle gegen alle” wird jedoch nicht völlig in der kondylisschen Betrachtung der “menschlichen Sachen” übernommen, da das kondylissche Forschungsschema “Freund-Feind” (mit dem jeweils entsprechenden Verhalten) die strikte (theoretisch) Normativität des hobbesschen philosophisch-politischen Ansatzes mildert. Hobbes identifiziert den dauerhaften Krieg mit dem vorgesellschaftlichen Zustand, in dem die Befriedigung des Selbsterhaltungsinstinkts als natürliches Recht jedes Menschen gilt (wobei die menschlichen Handlungen als Rechtshandlungen betrachtet werden), während durch das Konzept des sozialen Vertrags der (vom natürlichen Zustand unterscheidbare) konformistische, juristische Positivismus eingeführt wird, wobei allein die Erzeugung von Regeln und Forderungen der politischen Gemeinschaft ihre folgende Verbindlichkeit legitimiert. Es muss allerdings unterstrichen werden, dass Hobbes unter dem strukturellen Begriff des dauerhaften Kriegs im vorgesellschaftlichen Zustand eine theoretische Voraussetzung der umfassenderen hobbesschen sozialen Anthropologie im Versuch ihrer Konstitution versteht. Ohne – nimmt Hobbes an – die Konfrontation aller gegen alle wäre die Konstitution der politischen Gemeinschaft unnötig. Im kondylisschen Werk erscheint zunächst eine nur partielle Übernahme der hobbesschen Stellungen hinsichtlich des bellum omnium contra omnes. Der Begriff “Freund” und die Identifizierung des individuellen Weltbilds mit seinem Weltbild, die durch die kondylissche Betrachtung eingeführt wird, entfernt bis zu einem gewissen Grad die kondylissche von der entsprechenden hobbesschen Betrachtungsweise, da, gäbe es (laut Hobbes) im vorgesellschaftlichen Zustand freundliche Beziehungen zwischen den Menschen, wäre dann die Konstitution der politischen Gemeinschaft unnötig. Die Einführung in der kondylisschen Anthropologie des Freundbegriffs führt zur Abhebung der theoretischen Unterscheidung zwischen natürlichem (vorgesellschaftlichem) und politischem Zustand, während, wie im entsprechenden Punkt noch darzustellen ist, das von Kondylis eingeführte bipolare Interpretationsschema “Freund-Feind” eine innewohnende Normativität unterstellt, indem es die Möglichkeit einer Koexistenz voneinander durchaus unterschiedlichen Betrachtungsweisen in Bezug auf die Qualität der menschlichen Beziehungen verbietet, etwa Interesse-Gleichgültigkeit (übergreifende Begriffe im Vergleich zu den Begriffen Freundschaft-Feindschaft, welche in den ersteren eingeschlossen werden), Solidarität, Zusammenarbeit, Toleranz usw. Außerdem hält Kondylis, wenn man seine Meinung über die in jedem Menschen innewohnende Machtverstärkungstendenz wahrnimmt, den Zustand des Kriegs aller gegen alle (auch) in der politisch geregelten Gesellschaft für gegeben, da nach ihm auch die „Freundschaft“ eine verkleidete Machtverstärkungstendenz darstellt. Einfacher: Während der Freundschaftsbegriff in Hobbes unter dem Aspekt des Konsenses betrachtet wird, der die Übertragung der eigenen Rechte zum obersten Machthaber durchsetzt, um das gemeinschaftliche Behagen zu erreichen, versteht Kondylis unter Freundschaft eigentlich vorgetäuschte Freundschaft.

Von grundlegender Bedeutung, wie bereits erwähnt worden ist, ist für die hobbessche Theorie der Machtbegriff. Hobbes definiert die Macht jedes Menschen (universell) als “die Mittel, über die er jeweils verfügt, um ein künftiges Gut zu erwerben”; diese ist entweder primitiv oder instrumentell. An einer weiteren Stelle seines Werkes verdeutlicht er, dass die natürliche Macht als “der Vorrang der körperlichen oder der mentalen Fähigkeiten, wie z.B. der hervorragenden Tüchtigkeit, Form, Besinnlichkeit, Begabung, Redegewandtheit, Großzügigkeit, Höfflichkeit”, definiert wird, während die möglichst größere menschliche Macht als diejenige, “die aus der Macht der einzelnen Menschen besteht, die sich unter einer physischen oder politischen Person einigen, welche von der Macht jedes Menschen nach dem eigenen Willen Gebrauch macht, wie in Bruderschaften oder in Bruderschaftsvereinigungen der Fall ist. Demzufolge stellen Diener sowie Freunde vereinigte Mächte dar”. Es soll noch bemerkt [und als Nahtstelle zwischen Hobbes und Weber aber auch (unter Bedingungen) Kondylis verstanden] werden, dass der Erwerb (materieller) Güter in der hobbesschen philosophisch-politischen Theorie als Zweck des wirtschaftssozialen Handelns betrachtet werden, während dieser Erwerb materieller Güter mit dem Macht- und dem Machtverstärkungsbegriff unmittelbar zusammenhängt. Darüber hinaus hängt der Machtbegriff in Hobbes mit dem Konzept der Herrschaft über die Natur zusammen, was Kondylis einsieht. Was das Verhältnis von Kondylis und Hobbes angeht, besteht die Ähnlichkeit ihrer Betrachtungen in der Ansicht, dass die Tatsache allein, Freunde zu haben, ein Machtzeichen ist (laut Hobbes), wobei Kondylis unterstreicht, dass die Sozialisierung des Individuums anhand des “Freund-Feind” Schemas organisiert wird, wobei die Schließung von Freundschaften deutlich (und nur) als Machtverstärkungsmittel des handelnden Subjekts dient, mit anderen Worten Durchsetzung bedeutet. Weit über diese Ähnlichkeit hinaus, konstruiert Kondylis eigentlich einen menschlichen Idealtyp, indem er den als notwendig bezeichneten Charakter der menschlichen Beziehungen (nämlich als produktive, systemintern organisierte Beziehungen, die gemäß der Klassenherkunft, den historisch überlieferten sozialen Ungleichheiten, dem Geschlecht, der Reproduktionstendenz, den bestehenden Strukturen der Organisierung und Verteilung der sozialen Macht -besser: der gesellschaftlich und politisch institutionalisierten Hierarchie, Nationalität, Religion etc. reproduziert werden)] (provokativ) übersieht. Mit anderen Worten erzeugt er eine Stelle für den Menschen, die eher beschreibt, “wie die Sache sein sollte”, als wie sie tatsächlich ist. Ohne nicht nur die Vielfältigkeit des menschlichen Verhaltens, sondern auch das, was er für Voraussetzungen seiner Theorie hält, wahrzunehmen, setzt Kondylis die Rolle der obengenannten Variablen herab, indem er sie verallgemeinernd als “unvorhersehbare Faktore” bezeichnet. Zum Schluss soll in Bezug auf Hobbes erwähnt werden, dass er unter Vorstellungskraft das sinkende (aufgrund der zeitlichen Veränderung und er Veränderung des Körpers der Wahrnehmung einer im gnostischen Subjekt “Aussicht”) Gedächtnis versteht, während wenn er sich auf die “instinktive Rationalität des Menschen” bezieht, sich von seinem wertbezogenem Subjektivismus führen lässt, der beispielsweise offenbar wird, wenn der Britische Philosoph in Kap. VI (Über die Leidenschaften) seines Leviathan eine Definition des Guten geben will: “Doch was immer das Objekt von jemandes Trieb oder Verlangen ist, das nennt man für sein Teil gut und das Objekt seines Hasses und seiner Abneigung schlecht und das seiner Geringschätzung niedrig und belanglos. Denn diese Worte gut, schlecht und verächtlich werden stets mit Beziehung auf die Person benutzt, die sie gebraucht; nichts ist nämlich einfach und absolut so, und es kann auch keine allgemeine Regel von Gut und Schlecht aus der Natur der Objekte selbst abgeleitet werden, sondern von der Person des Menschen, wo es kein Gemeinwesen gibt, oder in einem Gemeinwesen von der Person, die es repräsentiert, oder von einem Unparteiischen oder Richter, den die Menschen, wenn sie uneins sind, einmütig einsetzen und dessen Urteil sie zur Regel machen sollten”.

Kondylis’ wissenschaftstheoretisches Denken, wie selber ausgesprochen anerkennt, hat Max Weber viel zu verdanken. Weber, Gründer des Versuchs, die Werturteile von der wissenschaftstheoretischen Forschung zu entfernen, fertigt seine Wissenschaftstheorie an mit dem Zweck, Wertfreiheit zu erreichen und vor allem die Subjektivität des menschlichen Verhaltens interpretativ zu begreifen, unter dem Aspekt, dass das Verhältnis des Sozialwissenschaftlers zur Gesellschaft eine Wertbeziehung ist, wobei dazu wahrzunehmen ist, dass für ihn der Wissenschaftsbegriff an sich einen Wertinhalt besitzt.

Der breitere Zusammenhang zwischen Weber und Hobbes wurde bereits dargestellt und besteht in einer instrumentellen Konzeption des Rationalitätsbegriffs, einer „kalkulativen“, berechnenden Rede, welche das gesellschaftliche Zusammenleben im Vergleich zum bellum omnium contra omnes als nützlicher bewertet, ohne zu wissen, ob dieser Zweck (der Konstitution der Gesellschaft) an sich rational ist oder nicht. Im selben Rahmen, in dem der Zusammenhang zwischen Kondylis und Hobbes bereits untersucht wurde, soll auch derjenige zwischen Kondylis und Weber, “Haupttheoretiker, […], den Kondylis unbedingt empfehlt” und dem er seine Entfernungsforderungen der Werturteile vom wissenschaftlichen Wissen sowie die aus der Unmöglichkeit jener Entfernung ergebende Verbindlichkeit der wissenschaftlichen Aussagen zu verdanken hat, untersucht werden. Ausgehend von den Fragen, was wissenschaftliche Erklärung für Weber aber auch für Kondylis bedeutet und wie sie möglich wird, soll ihr wissenschaftstheoretisches Denken geprüft und dazu noch untersucht werden, ob Kondylis bei der Formulierung seiner Stellungen mit den vom Deutschen Soziologen gesetzten wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen konsequent bleibt. In Anbetracht des Zusammenhangs der wissenschaftstheoretischen Zwecken des Deutschen Soziologen und P. Kondylis’, soll das Werk des letzteren – immer laut ihm – unter dem allgemeinen Aspekt der Anstrebung von Wertneutralität gelesen werden.

Die Verwandtschaft der weberschen Begrifflichkeit mit der positivistischen Wissenschaftstheorie ist offensichtlich. Die webersche Wissenschaftstheorie, die nicht nur dem marxschen Wissenschaftsmodell, sondern auch seinem theoretischen Schützengraben, dem hegelianer, entgegen steht, zielt auf die Konstruktion einer wissenschaftstheoretischen idealtypischen Rationalität auf der Grundlage einer typologischen Konstruktion der Forschungsprogramme der Sozialwissenschaften, wonach die wissenschaftlichen Disziplinen innerhalb eines strikt strukturierten, begrifflich theoretischen Systems ihren entsprechenden wissenschaftlichen Status erwerben. Ziel der weberschen Soziologie ist, zum einen durch die Entfernung der als subjektiv bezeichneten Werturteile Objektivität zu erreichen, selbst wenn die wertneutrale Konstitution einer Theorie von Weber selbst für unerreichbar gehalten wird, und zum anderen (und vor allem) die Unterscheidung der Sozialwissenschaften sowohl von der marxschen und hegelianer historischen (laut Weber idealistischen) Methodologie sowie von der Psychologie. Zu diesem Zweck wird im weberschen soziologischen Forschungsmodell versucht, das reflektive Beurteilen auszuschießen und die Verhältnisse, welche sich als Ergebnis der Reflexion (Arbeitsteilung, Produktionsbedingungen, Arbeitsbedingungen in der bürgerlichen Gesellschaft und generell alles, was als marxsche Erklärungskategorien zu bezeichnen ist) sowie alle aus der relevanten Forschung entstehenden Bedingungen sollen von dem breiteren begrifflichen Komplex, in dem sie verknüpft sind, entfernt werden, damit sie von der Soziologie separat untersucht und erklärt werden. Für die Erfüllung der oben erwähnten Ziele führt Weber die Unterscheidung zwischen der Erklärung und der Bewertung der sozialen Phänomene ein und lehnt die Möglichkeit letzteren ab, wissenschaftlich verbindlich zu sein, weil die Bewertung mit angemessenen wissenschaftlichen Begriffen nicht zugrunde gelegt werden kann. Die Auseinanderhaltung der Erklärung von der Bewertung zielt auf ein striktes Fundierungsprogramm der Sozialwissenschaft, ein Programm methodischer Begründung letzterer, das nicht Verbindlichkeit, sondern Gültigkeit in Anspruch nimmt, im Einklang bei der Konstruktion seines methodologischen Instrumentariums mit den (grundlegenden in der weberschen Wissenschaftstheorie) Objektivitäts-, Genauigkeits- und Reinheitskonzepten [mit dem Klarheitsbegriff]. Die webersche Wissenschaftstheorie bezeichnet die Typologie des individuellen Handelns als ihren wissenschaftlichen Forschungsgegenstand, was zur Festlegung des weberschen rationalen Forschungssubjektivismus im Erklärungsversuch der Zielsetzung des Individuums führt, wobei die Rationalität des Handelns anhand des Zwecks des Handelnden beurteilt wird. Der Handelnde soll in seinem Kopf einen verdeutlichten subjektiven Sinn vorhaben und auf der Grundlage dieser Werte die Rationalität seiner Handlungen beurteilen, immer in Hinsicht auf den Zweck jener Handlung (nach seinem Zweck menschliches rationales Verhalten).

Die Wertkonstitution des soziologischen Forschungsprogramms wird allerdings von Weber nicht für irrational gehalten, weder wenn es um die Interpretation des Forschungsgegenstands noch um die Entwicklung des Denkens in Werturteile geht, welche zum Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung beitragen. Einfacher unterscheidet Weber die Wertrationalität von der Rationalität der wissenschaftlichen Erklärung, die auf jeden Dialog mit dem Wertebereich verzichten soll, um objektiv zu sein. Erklärung und Bewertung werden bei der Formulierung wissenschaftlicher Urteile wieder miteinander verbunden, damit die kausale Erklärung rational zugrunde gelegt wird. Während allerdings das webersche wissenschaftstheoretische Modell den Werturteilen – die es jedoch voraussetzt – die Möglichkeit abspricht, für die Formulierung wissenschaftlicher Aussagen und der entsprechenden Beweisargumentation verbindlich zu sein, und diese bestimmte Problematik auf die Forschungsebene des aktuellen und erklärenden/verdeutlichenden Begreifens überträgt, mit dem Ziel, das bipolare Erklärungsschema „Gesinnungsethik“ (die auf die Erfüllung eines Zwecks oder eines Werts zielt ungeachtet ihrer praktischen Folgen, die sogar unvermeidlich sein können) und „Verantwortungsethik“ (die das Individuum zwingt, die Folgen seines Verhaltens einzuschätzen und die Verantwortung dieser Folgen zu übernehmen) sowie die wertbezogen sinnvolle Handlung als Kategorie gesellschaftlicher Handlung zugrunde zu legen, bewahrt die kondylissche deskriptive Entscheidungstheorie das Privileg, auf jegliche Wertformulierungen zu verzichten und die Möglichkeit einer Gesinnungsethik des Handelns, die mit Normativität gleichbedeutend ist, außer Acht zu lassen, da die individuellen und die kollektiven Handlungen laut Kondylis auf eine Machtverstärkungsabneigung zurückgehen, selbst im Fall, dass diese Abneigung „verkleidet“ als rationalisiertes bewusstes Verhalten erscheint. Nur (und hier wird der Einfluss Webers auf Kondylis’ Denken sichtbar) durch die Berufung auf solche normativen Prinzipien ist allerdings die Disziplinierung der Mitglieder einer organisierten Gesellschaft möglich; nur als Zusammenfassung solcher normativen Prinzipien, in der Art wie diese ihre Wurzeln in ein generelles Weltbild setzten, kann die Entscheidung ihre Rolle als Machtforderung und als Macht sozialer Disziplinierung spielen.

Wie wird jedoch das Ziel der Deskriptivität nach Max Webers unausgesprochenem Schüler erreicht? Nach Kondylis besteht nicht die Möglichkeit einer klaren Festlegung der Grenzen zwischen der Bestätigung und der Interpretation von Tatsachen, zwischen ihrer Beobachtung und der puren Theorie, und schließlich zwischen ihrer Entdeckung und ihrer Rechtfertigung. Es wurde allerdings bereits dargestellt, dass die Abschaffung der «Grenzen zwischen den Wissenschaftsdisziplinen» seinem Versuch, nämlich das wissenschaftliche vom «moralisch-normativem» Wissen zu unterscheiden, widerspricht, im Sinne, dass “der Rationalismus des wissenschaftlichen Wissens und der Wertrationalismus zwei unterschiedliche Sachen sind” und “die individuelle Bildung und Begabung nicht angemessen zu ersetzen sind”. Einfacher: Wenn die Abschaffung der Grenzen zwischen den Wissenschaftsdisziplinen doch möglich ist, erscheint dann P. Kondylis’ Vorhaben, zwischen moralischem und wissenschaftlichem Wissen zu unterscheiden, nicht nur als unzutreffend, sondern eigentlich als widersprüchlich. Der sinnliche Widerspruch der deskriptiven Metaebene verhindert die Gewährleistung einer wertfreien deskriptiven Betrachtung. Trotzdem legt Kondylis die wissenstheoretischen, methodologischen Prinzipien seiner deskriptiven Theorie zugrunde, wobei er das von seiner Entscheidungstheorie (wie zumindest er selber behauptet) verfolgte Ziel der vom Methodologismus entfernten Deskriptivität deutlich vermeidet. Während er ganz richtig bemerkt, dass der Diskurs über die Methodologie der Wissenschaften in der Periode der Neuzeit als “Antwort” auf das theologisch-metaphysische Establishment entstand, lehnt er den wesentlichen Charakter jenes Diskurses ab und verwirft somit gleichzeitig seine eigene deskriptive Theorie als Denkform (im Sinne, dass er sich selbst widerspricht). Es liegt auf der Hand, dass P. Kondylis die Begriffe “Theorie” und “Methode” miteinander verwechselt, denn, wenn die “deskriptive Entscheidungstheorie” eine Denkform darstellt, stellt sie (folglich) zugleich eine Denkmethode dar, während wenn sie eine Denkmethode ist, dann kann sie nicht als Theorie bezeichnet werden, im Sinne, dass jeder Bezug auf eine Theorie die Existenz eines Behandlungsgegenstands unbedingt voraussetzt. Die Tatsache, dass die kondylissche deskriptive Entscheidungstheorie nicht nur über methodologische Instrumente verfügt, sondern auch eine gewisse Betrachtungsmethode der Gesellschaft diktiert, ist schon in den ersten Werken Kondylis’ (in der Interpretation der Entstehungsbedingungen der Dialektik insbesondere in EDD setzt Kondylis eine methodologische Grundlage zusammen, die M. Webers’ theoretischer Grundlage deutlich ähnelt) sowie in seinen späteren, “systematischen” und historisch-philosophischen Werken sichtbar. Die kondylissche, historisch-philosophische Grundlage allerdings eher setzt die entsprechende webersche Grundlage voraus, als ihr zu ähneln. Konkreter: In EDD liest man die vom Machtbegriff so deutliche Abhängigkeit des kondylisschen Ansatzes heraus. Ganz vom Anfang an, beim Rückblick auf die wissenschaftstheoretischen Untersuchungen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und fortan, betont Kondylis die in fast seinem ganzen Werk strukturelle, wissenstheoretische Rolle sowohl der Macht als auch der Gewalt, wobei er beide Begriffe nicht als Inhalt der wissenstheoretischen Sichtweise, sondern als Formen bzw. als Orientierungsrahmen bestimmt. So erzeugt Kondylis sein wissenschaftliches Instrumentarium und nähert somit hinsichtlich dieser Thematik Webers’ Ansatz an.

Zu betonen ist unbedingt noch der tautologische Charakter der kondylisschen Begriffe Selbsterhaltung und Selbstbestätigung. Konkreter: vorausgesetzt, dass die Selbsterhaltung sowieso in jedem Subjekt stattfindet, analysiert Kondylis nicht die Variable, welche die Notwendigkeit eines Übergangs von der Selbsterhaltung zur Selbstbestätigung durchsetzt. Einfacher (und umgekehrt): Was verbietet einem Subjekt, sich selbst zu erhalten, ohne stärker zu werden, d.h. am “dauerhaften Machtverstärkungskampf nicht teilzunehmen”? Kein Wunder, dass unter den bisher bereits erwähnten Vorläufern von Kondylis –außer Hobbes- die Möglichkeit einer neutralen Stellungnahme gegenüber allem Vorhandenen nicht besteht. Gleich wie die Individuen als solche und die Gesellschaften (mit ihren Differenzierungen), so lassen sich auch die wissenschaftlichen Gemeinschaften anhand der im kondylisschen Werk wesentlichen Freund-Feind Unterscheidung organisieren, wobei sich mehrmals eine Gemeinsamkeit zwischen der sozialen und der wissenschaftlichen Gruppierung beobachten lässt, ohne jedoch (und darin besteht der kondylissche Widerspruch, der sich aus seinem eigenen Text ergibt) dass die wissenschaftliche Gemeinschaft den sozialpolitischen Status “widerspiegeln”.

Im Vergleich zum Oberen über das Verhältnis von Weber und Kondylis und Kondylis und Marx hinsichtlich der Behandlungsweise ihrer frühen Interpretationstypen soll zusätzlich folgendes gesagt werden:

Sowohl die Theorie von Marx als auch diejenige von Weber sind durch eine gemeinsame Sichtweise gekennzeichnet, die sich auf ihren grundlegenden Begriffen beruht. Während also beispielsweise die marxsche “Theorie” und die webersche Betrachtung an ihre allgemeinen Interpretationskategorien oder Idealtypen entsprechend als multiseitige perspektivistische Erklärungen der sozialen Phänomene “anzulehnen” scheinen, stellt der Machtverstärkungsidealtyp bei Kondylis einen spiralen, einseitigen Erklärungsversuch, wobei alles vom Machtverstärkungsanspruch anfängt und dort endet. Schematisch lehnt die marxsche Theorie an ihre generellen Kategorien an, während zur gleichen Zeit ihr Gegner, nämlich die Theorie Webers’, an die weberschen Idealtypen anlehnt. In der Theorie von Kondylis allerdings, außer der Tatsache, dass sie eine spirale Richtung aufweist (und dies kann bisher noch nicht kritisch beurteilt werden), beginnt sie vom und endet am selben Begriff, nämlich dem eigenartigen Machtverstärkungsidealtyp.

Die kondylissche Metatheorie erscheint somit – wie selber behauptet – als stagnierend (indem sie einseitig und spiral ist), ohne Entwicklungsmöglichkeiten und ohne auf einen dritten Begriff hinweisen zu können, der sie theoretisch unterstützen könnte. Es ist wahr, dass der Machtbegriff im kondylisschen Werk spontan auftaucht, während ihre Rechtfertigung den verwandten Begriffen bis auf den Entscheidungsbegriff entspricht. In IA ist eine vollständige Behandlung des Begriffs in Zusammenhang mit dem Entscheidungsbegriff zu finden. Eine Verbindung der Macht mit der Entscheidung besteht, insofern als das Subjekt, nachdem es ein Weltbild für sich ausgewählt und übernommen hat, seine Machtverstärkung in Anspruch nimmt und umgekehrt. Je mehr sich die Macht des Subjekts theoretisch zunimmt desto mehr wird sein Weltbild bereichert und desto mehr organisiert dieses übernommene Weltbild seine Entscheidungen und schließlich desto feiner werden die Argumente, mit denen das Subjekt sein Weltbild unterstützt. Außer der spiralen begrifflichen Form, welche die Verknüpfung der Begriffe der Macht und der Entscheidung kennzeichnet, kann dieses bestimmte Vorhaben von Kondylis aufgrund des abstrakten Charakters des Machtbegriffs theoretisch verworfen werden. Konkreter: Laut Kondylis agieren die menschlichen Wesen (um seine eigenen Wörter zu verwenden) zum Zweck ihrer Machtverstärkung. Es gibt allerdings manche Fälle, wo der Machtbegriff nicht nur nicht interpretativ angewandt werden kann, sondern völlig fehlt, was zur Unwirksamkeit seiner Argumente führt. Beispielsweise: Wir nehmen an, dass ein Mensch X vom Punkt A zum Punkt B gehen möchtet, ohne zu wissen, wo dieser Punkt B liegt. X trifft zufällig Y am Punkt A und fragt (wissenden) Y, wo Punkt B liegt. Y antwortet, was zur Orientierung von X führt, und die Diskussion endet mit gegenseitigem Bedanken. An welchem Punkt könnte man eine Machtverstärkung seitens X oder Y feststellen? Die Macht von Y nimmt auf keinem Fall zu. Die Macht von X nimmt auch nicht zu (laut dem, was die kondylisschen Stellungen unterstellen), da die von ihm erworbene Kenntnis sein Weltbild kaum verändert hat, und darüber hinaus kann diese Veränderung in seinem Bewusstsein nicht wahrgenommen werden: Sein Wissensebene ändert, diese Änderung kann allerdings nicht als Machtverstärkung bezeichnet werden. Darüber hinaus kann nicht angenommen werden, dass die Machtverstärkung der Beweggrund von X ist, sondern ihm ist nur Ignoranz hinsichtlich dieser Machtverstärkung zuzuschreiben. Einfacher: X weiß nicht, wohin zu gehen und diese Ignoranz macht aus ihm ein Subjekt, bestimmt von seiner Frage in Bezug auf sein Problem.

Der grundlegende philosophisch-politische Ansatz von C. Schmitt befindet sich in seinen zwei bekanntesten Werken, Politische Theologie und Legalität und Legitimität, ohne dass ihr eigentlicher Charakter in seinen späteren (und weniger bekannten) Werken, Theorie des Partisanen und Der Begriff des Politischen verschwindet. Schmitt war (abgesehen von der Kritik, die er als Theoretiker des Nazismus zu Recht empfang) ein großartiger Denker sowie Verfassungslehrewissenschaftler, Kriegstheoretiker und Politikwissenschaftler, mit einer hervorragenden analytisch-kritischen und rechtshistorischen – wenn auch in manchen Punkten widersprüchlichen – Denkweise. Sein Einfluss auf anderen Denkern bleibt monumental, während seine Werke mehrmals wieder veröffentlicht und revidiert wurden. Der erste Eindruck, den man bei der Studie des Werks von C. Schmitt Politische Theologie bekommt, ist sein Versuch, die theologischen Wurzeln des juristischen begrifflichen Instrumentariums darzustellen sowie die Analogie zwischen den theologischen und den juristischen Begriffen theoretisch zugrunde zu legen. Unter den theoretischen Folgen jener Analogie ist auch der Zusammenhang zwischen den Ansätzen von Schmitt und Kondylis zuzuzählen, im Sinne dass sowohl für den ersteren als auch für den letzteren die Vorwürfe zwischen Gegnern die Ausdrucksweise der These in Form von Antithese darstellen, was auf die konfrontative Bereitschaft der Diskurspartner hinweist, mit anderen Worten auf das bipolare Freund-Feind Schema. Wie definieren jedoch Carl Schmitt und Kondylis den Freund- und den Feindbegriff entsprechend und welche Gemeinsamkeit besteht zwischen beiden Definitionen? Feind heißt laut Schmitt den zunächst wirklichen und dann absoluten Feind, während es Forschungsplätze gibt, wo das Verhältnis Schmitts zu Hobbes sowie zu Weber begründet werden kann. Die seltsame Sichtweise Carl Schmitts hinsichtlich der technologischen Entwicklung unterstellt sowohl seine Anerkennung des marxschen Denkens als auch die Weise, wie er den Technikbegriff als regulativen Faktor in den Herrschaftsbeziehungen behandelt. Typisch seines Ansatzes ist die Tatsache, dass “das Proletariat (“des [T]echnischen„ in schmittscher Begrifflichkeit,) nicht nur seine Entstehung, sondern auch seine revolutionäre Ideologie der kapitalistischen Industrialisierung zu verdanken hat, die Schmitt als „Religion des technologischen Fortschritts” bezeichnet. Der Neoliberalismus auf der anderen Seite wird als unfähig bezeichnet, “das Technische zu steuern”. Das Einzige, was er erreichen kann, ist, durch seine Neutralisierungen und Absolutismen die verschiedenen Fronten zu verwechseln und das klare Erkennen des Gegners zu verhindern“, während sein Ansichtspunkt generell als “bürgerliche Antwort auf die marxsche Klassenkampftheorie” bezeichnet werden kann, welche, durch die Unterscheidung des Staatsbegriffs von seinem Gegenbegriff, nämlich dem totalitären Staat, auf die Fundierung letzteren zielt unter dem Aspekt der Abschaffung der Interpenetration von Gesellschaft und Staat als Mittel zur Sicherstellung seiner normalen Funktion. Diese Interpenetration rief laut Schmitt im staatlichen Mechanismus und im Zusammenhang zwischen “Staatlichem” und “Politischem” Unordnung hervor und führte zum schmittschen Organizismus, wobei diese Unordnung als “Dekadenz der bürgerlichen Homogenität” und als “Verzerrung des normalen Zustands” definiert wird. Dem Organizismus von Schmitt entspricht der kondylissche Organizismus im Sinne eines Erklärungsmonopols der Begriffe seitens der jeweiligen herrschenden Klasse, den er in seinem Werk “Der Denker aus Olympia” zugrunde legt (oder zumindest dies anstrebt). Während schließlich der Krieg bei Schmitt als Mittel zur Inanspruchnahme des “normalen Zustands” im staatlichen Mechanismus dient, betrachtet Kondylis ihn als Erweiterung der Politik.

Im gleichen Sinne wird der Machtbegriff (als Kraft, Kräftigkeit des totalitären Regimes) im Schmitts Ansatz breit verwendet. Dies spricht noch mehr für die Argumentation über den Zusammenhang zwischen dem schmittschen und dem kondylisschen Ansatz, während die Freund/Feind Unterscheidung im Mittelpunkt des Der Begriff des Politischen schon vom Anfang des bestimmten Werks steht. Die Argumentation stellt ihren Schwerpunkt besonders auf die Zugrundelegung des Feindbegriffs, der als “nur eine, zumindest potentielle, nämlich realistisch mögliche, kämpfende Menscheneinheit”, definiert wird, “welche sich gegen eine andere genau gleiche Einheit kämpft. Feind ist nur der öffentliche Feind, im Sinne dass alles, was sich auf eine solche Menscheneinheit hinweist, und zwar auf ein ganzes Volk, öffentlich wird. Feind heißt hostis, nicht inimicus im breiteren Sinne; πολέμιος [griechisches Wort im Originaltext, Bemerkung des/der Übersetzers/-in], nicht εχθρός [griechisches Wort im Originaltext, Bemerkung der Übersetzerin]. Die Deutsche Sprache, wie andere Sprachen auch, unterscheidet nicht zwischen dem privaten und dem politischen «Feind», was viele Missverständnisse und absichtliche Fehlinterpretationen ermöglicht”, während “die Freund/Feind Unterscheidung auf extreme Bindungen oder Trennungen, Einigungen und Spaltungen hinweist”. Aus der bisherigen Analyse ergibt sich, dass die Begriffe «Freund» und «Feind» innerhalb der politischen Dimension wahrgenommen und erklärt werden, wobei Schmitt ihnen einen breiteren Sinn zuschreibt. Konkreter: “Die Begriffe Freund und Feind sollen in ihrem bestimmten, existentiellen Sinn betrachtet werden und nicht etwa übertragen oder symbolisch, nicht gemischt mit oder entkräftet von wirtschaftlichen, moralischen oder anderen Bedingungen und weniger noch in einem privat-individuellen Sinn, psychologisch als Ausdruck privater Gefühle und Abneigungen. Sie sind nicht normative und «rein geistige» Gegensätze”. Hier, abgesehen von der Selbstverständlichkeit [nämlich, dass sowohl Schmitt als auch Kondylis den Existenzbegriff und seine Nebenbegriffe maßlos verwenden (die Selbstverständlichkeit hier besteht in der Tatsache, dass alles zwangläufig mit dem zusammenhängt, was man “Existenz” nennen kann)], liegt die Ähnlichkeit beider Ansätze auf der Hand, und zwar wenn man die Stellungen Kondylis’ zur «existenziellen Teilnahme des Subjekts der Entscheidung» in Betracht zieht. Allgemeiner haben die Gedanken beider Denker sowohl den “Misserfolg” der praktischen linken Denkweise als auch die sozialpolitische auswegslose Lage der bürgerlichen Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts als gemeinen kausalen Ausgangspunkt.

Schließend ist noch zu bemerken, dass gemäß der Art und Weise, «wie man Kondylis liest», zieht man auch die entsprechenden Folgerungen heraus; im gleichen Sinne gilt, dass die schmittsche Staatskonzeption und seine parallele Theorie des Politischen “nicht nur eine bürgerliche Antwort auf den Marxismus darstellt, sondern zugleich eine bürgerliche Bestätigung der marxschen Theorie des Klassenkampfes, [da] der Unterschied […] in den Folgerungen besteht, die aus dieser Erkenntnis herausgezogen werden”. Anzeigend des zentripetalen Charakters seines Ansatzes ist seine Ansicht, dass als «Feind» der Klassengegner betrachtet wird (ich erinnere jedoch daran, dass der zwangläufige Charakter des Klassenkampfs bei Marx begrifflichen Unterscheidungen, wie z.B. der schmittschen Freund-Feind Unterscheidung, überlegen ist), während das bereits erwähnte Schema im Schmitts Werk von so großer Bedeutung ist, dass es religiöse, wirtschaftliche, kulturelle, nationale, begriffliche – wesentliche Zuordnungen sowie selbst den Begriff des Politischen überwinden kann. Natürlich können sowohl Kondylis wie auch Schmitt als Repräsentanten der Realpolitik, nämlich «der Politik der unmittelbaren Ergebnisse», bezeichnet werden, wobei ihre Meinungen zur Kriegsdefinition im Allgemeinen ähnlich sind, obwohl sie darin unterscheiden, dass bei Schmitt Krieg “weder Konkurrenz noch «reine geistige» diskursive Konfrontation noch symbolischer ‚Kampf’ bedeutet, den letztendlich jeder Mensch irgendwie ausführt, weil das ganze menschliche Leben ein Kampf und jeder Mensch ein «Kämpfer» ist, während Kondylis diesen Kampf als potentiell und in den meisten Fällen tatsächlich ideologisch betrachtet und ihn auf die Populationsdifferenz zwischen den Völkern zurückführt.

Der Zusammenhang der Theorien Schmitts’ und Kondylis’ kann vor allem im Entscheidungs- und insbesondere im Feindbegriff festgelegt werden (in Analogie zum kondylisschen Feindschaftsbegriff, der im Gegensatz zum Freundschaftsbegriff bestimmt wird).

In den folgenden Zeilen wird versucht, die Konstitutionsweise der kondylisschen dezisionistischen deskriptiven Theorie und des Moralrelativismus, wozu der kondylissche Relativismus als Antriebshebel der kondylisschen deskriptiven Entscheidungstheorie führt, ausführlich dargestellt zu werden, mit dem Ziel, in ihren Annahmen die Identifizierung der kondylisschen Theorie mit einer bestimmten philosophischen Tradition und zwar mit derjenigen seiner Vorläufer zugrunde zu legen. Das erste Mal, als Kondylis die Entscheidungstheorie mit dem Relativismus (obwohl selber behauptet, dass es „kein logisch zwangsläufiger Zusammenhang zwischen dem wissenstheoretischen Skeptizismus und dem Moralrelativismus besteht“) in seinem Text ausgesprochen verbindet, wird methodologisch die Entstehung seiner eigenen deskriptiven Entscheidungstheorie signalisieren. Der Versuch allerdings, beide Theorien auseinanderzuhalten, wie noch darzustellen ist, beruht nicht auf festen Argumenten, mit der Folge, eine sine qua non Voraussetzung darzustellen, da er spontan auftaucht (Dezisionismus). Einfacher: Auf den ersten Blick führt der Skeptizismus nicht unbedingt zum kondylisschen Dezisionismus, da der reine Skeptizismus die Übernahme einer allgemeinen Stellung seitens des Forschers und die entsprechende Festlegung des Weltbilds, wozu der Dezisionismsus eventuell führt, eigentlich verbietet. Der Widerspruch liegt hier auf der Hand, vorausgesetzt, dass hier bewiesen werden kann, dass der kondylissche Skeptizismus zum Relativismus und zwar zum Moralrelativismus führt. In diesem Fall bricht der Skeptizismus als Fundament der kondylisschen deskriptiven Entscheidungstheorie zusammen und macht sie solchermaßen wackelig, dass sie gezwungen wird, ihr wissenstheoretisches Instrumentarium anderswo zu suchen (Macht, Freund-Feind Schema, Geschmack, Melancholie usw.). Die Begriffe des Weltbilds, der Identität der Weltanschauung sowie das Freund-Feind Schema besitzen eine regulative Funktion innerhalb des kondylisschen Ansatzes hinsichtlich der Wissenschaftsgemeinschaften, und sind unmittelbar abhängig von den hierarchisch primären Begriffen der Macht (Durchsetzung, Machtverstärkung) und der Entscheidung. Der Schwerpunkt der Argumentation liegt somit auf der in jedem wissenschaftstheoretischen Status der jeweiligen (immer laut ihm) «Gruppierungen» zwangsläufig strukturellen Rolle dieser Begriffe. Sein methodologischer Ansichtspunkt, dessen Kristallisierung durch die Veröffentlichung seiner relevanten, systematischen Werken EIA, HIO, seiner Interviews sowie seines unvollendeten Werks Das Politische und der Mensch, (Grundzüge der Sozialontologie) vollzogen wird, stellt seine Theorie (immer laut ihm) zur Außenseite, im Sinne, dass die deskriptive Metaebene seiner Entscheidungstheorie “in der Außenseite bleibt und sich an diejenigen zuwendet, die in der Lage sind, praktisch unnützliche oder auch hemmende Kenntnisse und Feststellungen zu schätzen. Der Grund, warum er in bestimmten Zeitphasen populärer wird, ist einfach, weil in diesen Phasen das Normativdenken sich in Krise befindet und sich selbst durch seine Polemik und durch die Suche von Sündeböcken zu bestätigen versucht”. Die Selbststellung der Philosophie im kondylisschen Werk in die Außenseite gewinnt die Theorie große Bedeutung. Auf dieser Weise wendet sie sich gegen die ganze philosophische Tradition, die ihre Wurzeln in Sokrates hat und sowohl mit dem Versuch zusammenhängt, einem Begriffsinhalt vollständigen Sinn und eine deutliche Definition zu geben als auch mit dem Anspruch der philosophischen Rede, ein festes Fundament darzustellen, dessen Äußerung auf die Legitimierung der philosophischen Folgerungen zielt, die dann als Folgerungen einer strikten Wissenschaft gelten werden. Kondylis selbst wendet sich gegen die platonische Theorie, indem er sie zu instrumenteller Theorie herabsetzt, die der Machtanstrebung dient, und setzt sich deutlich nicht nur für die skeptizistische Tradition, die er allerdings nicht verdeutlicht, sondern auch für die moralrelativistische Theorie der Sophisten. Mit dieser Betrachtungsweise legt er eigentlich das Ausdrucksbedürfnis einer Gegenargumentation zugrunde, da ohne die Präsenz der skeptizistischen Einwände des Sophisten (gleichgültig ob seine Rede provokativ, zynisch oder rhetorisch klingt– nämlich dessen Ziel die „Rettung der Phänomene“ ist), wird die philosophische Rede unsicher. Die Frage, die allerdings deutlich beantwortet werden muss, ist, ob letztendlich Kondylis bei der Formulierung seines Ansatzes tatsächlich skeptizistisch ist. Die Antwort auf diese Frage wurde weiter oben gegeben.

Wie bereits betont, ist die Stellung der kondylisschen Theorie zur Außenseite von grundlegender Bedeutung, weil sie seine Tendenz bestätigt, seine deskriptive Entscheidungstheorie absichtlich der moralrelativistischen philosophischen Tradition der Sophisten zuzuordnen. In der oben skizzierten Auseinandersetzung zwischen dem Relativisten und dem Rationalisten kann natürlich der Undefinierbarkeitsbegriff, den der Relativist verwendet, um auf den Dogmatismus des Rationalisten aufmerksam zu machen, vom Instrumentarium des Relativisten entzogen und ihrem eigentlichen Gebiet, nämlich demjenigen der Naturwissenschaften, zugeteilt werden, was zu ihrer Abgrenzung nur innerhalb dieser Wissenschaftsdisziplinen führt. Im „Kern“ der kondylisschen sozialen Ontologie beruht der (kondylissche laut den Oberen) wissenstheoretische Skeptizismus. Aus diesem Skeptizismus ergibt sich die Folgerung, dass die „soziale Ontologie kein höchstes, pragmatisches oder normatives Kriterium für die Beobachtung der menschlichen Gesellschaft und Geschichte bereitstellt; dagegen bietet sie die grundlegende Analyse an, woraus sich ergibt, warum die Festlegung eines solchen Kriteriums unmöglich ist“. Dieser wissenstheoretische Skeptizismus muss also unbedingt nicht nur hinsichtlich seiner internen logischen Konsequenz, sondern seiner Anstrebung, als harter Kern einer teutonischen Sozialtheorie zu dienen, untersucht werden. Weil, obwohl Kondylis die Festlegungsunmöglichkeit eines höchsten pragmatischen oder normativen Kriteriums für die Beobachtung der menschlichen Gesellschaft und Geschichte mal ausgesprochen und mal unausgesprochen bemerkt hatte (indem er selbst Begriffe wie Macht, Freund-Feind, Geschmack, Selbsterhaltung in einem gemeinsamen Begriffskomplex gruppierte, welches für den Zusammenhang und die Erhaltung seiner deskriptiven Entscheidungstheorie unentbehrlich war), erhob er sein Begriffskomplex zu absoluter Interpretationsperspektive. Wenn also der Kern seiner Theorie verworfen wird, bricht zugleich die ganze Theorie als solche zusammen. Die Undichtheit beispielsweise seines methodologischen, „deskriptiven“ Instrumentariums bei der Behandlung seines Materials ist festzustellen, wenn er sich zwingt, sich auf die “Geschichte der Probleme” zu beziehen, um die mit diesem Material zusammenhängende Problemsetzung zu lösen. Wie wird allerdings das Ziel der wissenschaftlichen Zugrundelegung der Deskriptivität verfolgt?

In EIA, diesem rein wissenschaftstheoretischen Werk von Kondylis (bis zur Niederschrift des GSO), betont Kondylis schon von Anfang an seines Werks und zwar im Überblick der wissenschaftstheoretischen Forschungen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und fortan die wissenschaftstheoretisch strukturelle Rolle sowohl des Macht– als auch des mit ihm zusammenhängenden Entscheidungsbegriffs, und unterscheidet zwischen Macht und Gewalt, indem er beide Begriffe nicht als Inhalte wissenschaftstheoretischer Betrachtung, sondern als Formen, Orientierungsrahmen bezeichnet.

Es ist allerdings sicher, dass der Skeptizismus, in der Art wie Kondylis ihn konzipiert, unbedingt zu Dezisionismus führt. Weil ganz einfach, die Tatsache, Einwände gegen jegliche Betrachtung zu haben, welche die Bewertung als Partner der soziologischen Forschung annimmt und in jegliche Folgerung einer wertstrukturierten Betrachtung hineindringt, an sich eine Entscheidung ist. D.h. dass selbst die Selektion einer Betrachtung anstatt der anderen auch eine Entscheidung ist, welche sich vom Skeptizismus ergab. Dies führt uns zum Versuch einer relativistischen Dekonstruktion der Konstitutionsbedingungen einer Theorie, die zwar von der Beschreibung der sozialen Bedingungen (Deskriptivität) ausgeht, sich jedoch in eine normative Betrachtung (Marxismus) umwandelt, die das Konzept einer dialektischen Kritik der sozialen Verhältnisse einschließt, in der Art wie letztere in den sozial herrschenden Strukturen ihren Ausdruck finden, auf der Achse einer Überwindung ihres widersprüchlichen Charakters, mit dem gleichzeitigen Vorschlag einer Verwendung der Dialektisierung der formalen Logik, welche die Stelle des “Dings” besitzt, als Letzteres sich selbst leugnet. Wir gehen davon aus, dass die Werte “leiden”; wir lehnen sie im gewissen Ausmaß ab, um sie im Nachhinein zugrunde zu legen. Ein Rückblick auf Psychopedis sowie auf Marx wäre unbedingt sinnvoll, um die deskriptive Entscheidungstheorie als eine Betrachtung zu rekonstruieren, die zur Abhebung der Begriffe und Werte führt.

Der wissenstheoretische Skeptizismus von Kondylis diktiert eigentlich die Übernahme eines bestimmten Weltbilds und die Übereinstimmung mit der deskriptiven Entscheidungstheorie. Die Unmöglichkeit, die Wertobjektivität zugrunde zu legen, ist auch eine theoretische Stellungnahme, die zu einer Entscheidung (Dezisionismus) führt. Insofern als (laut Kondylis) die Wertobjektivität sich nicht angemessen beweisen lässt, liegt der Widerspruch auf der Hand. Das Weltbild schließt auch bestimmte Sinngebungen moralischer/wertbezogener Begriffe ein, selbst wenn das Objektivitätsziel als unerfüllbar scheint. Was führt das Subjekt zur Übernahme des bestimmten Weltbilds (selbst wenn dieses Weltbild „deskriptive Entscheidungstheorie“ heißt), vorausgesetzt dass das Subjekt praktisch ignoriert, dass der Handelnsprozess (wenn auch partiell objektiv – wenn nicht strikt subjektiv) mit dem Sichersein verbunden ist? Hier besteht eine Täuschung, (ich bin zwar nicht sicher über die Wahrheit meiner wissenstheoretischen Entscheidungen, aber ich verwende sie, um mich zu orientieren) und das Schlimmste dabei ist, dass diese Täuschung vom handelnden Subjekt bewusst vollzogen wird. Darüber hinaus besteht immer die Gefahr, dass das Weltbild nicht wirklich wahr, sondern nur plausibel ist bzw. mit Wahrscheinlichkeiten funktioniert. In diesem Fall ist die Identität nicht nur nicht fest (wie Kondylis behauptet, vgl. IA), sondern hängt vom Wahrheitsgrad ab, der das Weltbild und seine Identität kennzeichnet. Vielleicht deswegen schreibt Kondylis in seinem späten Werk (ΠΑΝ) der Identität einen eher wandelnden als einen strikt festen Charakter zu.

Kondylis behauptet eigentlich, dass kein wissenstheoretischer Weg dem Wertinhalt irgendwelche Begründung, Einschätzung oder letztendlich Sicherheit verleihen kann. Obwohl er seine Teilnahme an (seinem) zeitgenössischen wissenstheoretischen Diskurs vermeidet, stellt er bloß fest, dass “die Wertobjektivität sich nicht angemessen beweisen lässt”, und setzt somit eigentlich den Rationalitätsbegriff herab, indem er ihn dem Gebiet der sprachlichen Begriffen zuordnet, die für seine Behandlung und Interpretation von den (wissenschaftlichen oder nicht-wissenschaftlichen) Gemeinschaften verwendet werden, was zur Entkräftung (auch in seinem eigenen Werk) seiner Ausgangsfrage, was Rationalität heißt, führt. Wenn dieser bestimmte Begriff laut ihm nicht angemessen definiert werden kann und seine Berufung nur auf die Begründung der gegenseitigen Argumentation zielt, unter welchem Begriff werden seine eigenen Argumente formuliert, wenn nicht unter demjenigen der Rationalität? Umgekehrt: Wenn die kondylisschen Argumente von einem (nicht universell definierbaren) Rationalitätsbegriff abweichen, wie sollen sie dann bezeichnet werden? An diesem Punkt kann einerseits die sokratische mäeutische Methode der Lösung von Unsicherheiten, die das kondylissche Denken erzeugt und andererseits die aristotelische (formelle) Vernunft gegenübergestellt, ihr Zusammenhang mit einem Rationalitätsbegriff und ihre Folgen hinsichtlich der Vermeidung eines Moralrelativismus, selbst wenn die moralischen/wertbezogenen aristotelischen Annahmen nicht die absolute Wahrheit und Richtigkeit in Anspruch nehmen.

Wenn wir die Richtigkeit der kondylisschen Ansicht annehmen, dass aufgrund der Unmöglichkeit einer universellen Kenntnis der “Sachen”, die Festlegung der Wertobjektivität unmöglich ist, geraten wir tatsächlich nicht in Wertrelativismus, vorausgesetzt, dass die daraus entstehende Folgerung (ungeachtet der Richtigkeit dieser bestimmten Annahme, was weiter unten noch zu behandeln ist) als selbstverständlich auch aufrichtig ist und in ihrer (systeminternen) Unterscheidung zwischen moralischem und wissenschaftlichem Wissen zugrunde gelegt wird. Es ist allerdings offenbar, dass der obere Sophismus bloß (und ohne die oben skizzierte Unterscheidung der Wissensgebiete wahrzunehmen) die skeptizistische Problematik vom “Wissen der Dinge” zum Wissen der Wertobjektivität versetzt. D.h. dass [abgesehen davon, dass wir zu einer Folgerung gelangen sind, die sich aus nur einer Annahme ergibt (deduktives Denken)], P. Kondylis, indem er nicht erklärt, was genau er unter Werte versteht (vor allem wenn letztere auch als “Dinge” definiert werden), entweder bloß tautologisch argumentiert oder die Anstrebung der unmittelbaren Lösung des bestimmten wissenstheoretischen Problems vermeidet, was kaum zufällig ist. Das obere Argument wurde von Kondylis als Gegenargument zur These “solange ich die Dinge nicht zur Kenntnis nehmen kann, kann ich ebenso nicht wissen, ob die Werte objektiv sind” vorgelegt. Es liegt auf der Hand, dass Kondylis, in seinem Versuch, die Angriffe gegen den Dezisionismus (und den Relativismus auch) zu mildern, sich zugunsten seiner Folgerungen auf den Skeptizismus beruft. Einfacher: Er erkennt selber seine Unfähigkeit, die Wertobjektivität nur zugunsten seiner eigenen Argumente, um der Begründung seiner eigenen Argumente willen, festzustellen. An einer anderen Stelle seines Werks jedoch behauptet er, dass das Wissen der Dinge zum befriedigenden Maß adäquat ist. Dieses Argument ist durchaus akzeptabel, vorausgesetzt dass es tatsächlich als ein echter Panzer des Denkens in ihrer Auseinandersetzung mit Fragen hinsichtlich der Grenzen des Wissens dient. Er versucht allerdings, die Existenz der gleichen [ausgegangen vom (irgendwelchen) Skeptizismus] Beweggründe seitens seiner theoretischen Gegner theoretisch zu verwerfen. In jedem Fall bleibt die zentrale Frage im oberen kondylisschen Argument, nicht ob es im Endeffekt “objektive Werte” gibt, sondern ob und zu welchem Ausmaß das Wissen der “Dinge” mit dem Wissen der Wertobjektivität zusammenhängt? Wie führt nämlich das Wissen der Dinge (wenn es überhaupt dies tut) zum Wissen der Wertobjektivität? Um mit Kondylis zu argumentieren: Soll man die Dinge (und außerdem nicht nur “die Dinge”) kennenlernen, wenn man die Wertobjektivität feststellen will? Abgesehen von der Tatsache, dass der Begriff Ding, diese soziale Hieroglyphe, ein hohler Begriff ist, im Sinne dass er für eine deutliche Beschreibung und Erklärung des vielfältigen sozialen Lebens unangemessen und zu abstrakt ist, ist offensichtlich, das Kondylis das Gegenargument verzerrt, indem er die Argumentation auf die Kernbegriffe seiner Theorie zurückführt (fast immer unter Berufung auf seinen wissenstheoretischen Skeptizismus). So vermeidet er eigentlich, die Frage zu beantworten, ob es letztendlich objektive Werte geben kann oder nicht, unabhängig ob man sie “zur Kenntnis nehmen kann”. Anhand dieser ausgesprochenen (oder mehrmals unausgesprochenen) Umgehensweise, vermeidet Kondylis tatsächlich (obwohl wahrscheinlich ungeschickt), unmittelbar in Wertrelativismus zu geraten, ohne allerdings die adäquate Argumentation für diese Vermeidung anzubieten. An einer anderen Stelle seines Werks hält Kondylis den Wertrelativismus (obwohl nicht deutlich genug) für gegeben, ohne – vermutlich in seinem Versuch, eine ausgesprochene Übernahme des Relativismus zu vermeiden – die angemessen zugrunde gelegte Argumentation gegen den Relativismus bereit gestellt zu haben.

Die kondylissche Argumentation bricht zusammen, selbst wenn wir von der argumentativen Struktur unseres kritischen Blicks den “Wahrheits”-begriff entziehen und an seiner Stelle das argumentative Deduktionsprinzip übernehmen, welches ungeachtet der Wahrheit der Argumente funktioniert [z.B. wenn es morgen nicht regnet, gehen wir ins Kino(wobei die zentrale Wahrheitsfrage die allgemeine Gültigkeit der Aussage nicht beeinflusst)]. Einfacher: Unabhängig von der Wahrhaftigkeit ist der Übergang von der Mitteilung zur Folgerung richtig.

In der Einleitung der vorhandenen Schrift wurde ein kurzer Rückblick auf die philosophische Auseinandersetzung versucht, zwischen zum einen den dezisionistischen Betrachtungen und zum anderen denjenigen, die auf der Abhebung des Wertrelativismus oder auf seiner Milderung beruhen, durch seine Umfassung in eine generelle, rationalistische Theorie, die verglichen zur relativistischen Betrachtungsweise, hinsichtlich der Interpretation der gesellschaftlichen Konstitution und Weiterentwicklung sowie ihrer Nützlichkeit als Konstitutionsinstrument sinnvoller Institutionalismen für die Regulierung der gesellschaftlichen Normalität überlegen ist.

Das Wichtigste, was hier noch zu untersuchen ist, ist die Unterscheidung (die im kondylisschen Werk nicht deutlich sichtbar ist) zwischen dem deskriptivem Denken und der deskriptiven Entscheidungstheorie. Als Entscheidung [de-cisio] definiert Kondylis “einen teils bewussten teils unbewussten Handlungs- oder Trennungsprozess, wobei ein organisiertes oder hierarchisiertes Weltbild entsteht, welches die für die Selbsterhaltung notwendige Orientierungsfähigkeit gewährleistet und der Machtanstrebung dient, indem es eine feste Identität bereit stellt”. Hier trennt sich alles, was der Gestaltung des Weltbilds und der Identität, nämlich der Selbsterhaltung und der Selbstbestätigung dient von dem, was in Bezug auf diese Zwecke als unnützlich oder sogar schädlich scheint. Das Subjekt, in seinem Versuch, seine Identität zu herauszubilden, befreit sich von der erstaunlichen Eindrucksmenge, die es von allen Seiten her bombardiert und von allein keinen Sinn macht, und, durch das Durchhauen des gordischen Knoten, ersetzt diese chaotische ursprüngliche Welt durch eine geordnete Welt, innerhalb dessen es eine sinnvolle Stelle für sich selbst bewahrt – mit anderen Worten, verbindet das Subjekt den Sinn der Welt mit seiner Stelle innerhalb der letzteren. Als deskriptives Denken kann allgemeiner (laut Kondylis) jenes Denken definiert werden, welches, von Werturteilen entfernt, eine Denkform (Struktur, Art) darstellt, und sich von der deskriptiven Entscheidungstheorie, die mit Sinninhalten zusammenhängt, deutlich unterscheidet, unabhängig ob Kondylis in mehreren Beschreibungen der „deskriptiven Entscheidungstheorie“ ihr Gültigkeitsgebiet mit demjenigen des deskriptiven Denkens verwechselt, um ihr einen rein strukturellen Charakter zu verleihen.

Damit die Konstitutionsvoraussetzungen des deskriptiven Dezisionismus, des Begriffkomplexes und der deskriptiven Metaebene, welche “die Ebene aller Ebenen” darstellt, wie selber behauptet, geprüft werden, wird zunächst genau der interne Zusammenhang der Basissätze des kondylisschen wissenschaftstheoretischen deskriptiven Denkens und der entsprechenden Begrifflichkeit untersucht, sowie ihr Verhältnis zur kondylisschen dezisionistischen Betrachtungsweise, sowohl bei ihrer theoretischen Konstitution als auch bei ihrer praktischen Anwendung. Somit wird primär der kondylissche Dezisionismus als das Gebilde bezeichnet, welches aus den im kondylisschen Werk Grundbegriffen der Macht, der Entscheidung, der Identität, des Weltbilds, der Freundschaft und der Feindschaft, des Geschmacks besteht; weiter unten werden diese bestimmten Begriffe kritisch analysiert, sowohl in Hinsicht auf ihren Sinn laut Kondylis als auch auf ihre Bedeutung innerhalb des kondylisschen theoretischen Ansatzes. Ziel des vorliegenden Subkapitels ist die deutliche Darstellung der Unzulänglichkeit der kondylisschen Begrifflichkeit, eine merkwürdige, universellgültige Theorie zu konstituieren, auf der Achse ihrer Herabsetzung zur Kategorie des Plausiblen, und ihren relativen Charakter zu belegen [anhand immer der Festlegung des Fehlers aufgrund des logischen Sprungs, den Kondylis macht, um das deskriptive Denken (welches die Theorieformen – formelle-strukturelle Denkart als Methodologie – untersucht) mit der deskriptiven Entscheidungstheorie zu verbinden, die zwar mit dem deskriptiven Denken zusammenhängt, sich jedoch von ihm darin unterscheidet, dass sie ihrerseits keinen Sinninhalt anbietet, selbst wenn sie (laut Kondylis) ihrerseits keinen Sinninhalt anbietet, (abgesehen von der Beschreibung der Denkstrukturen in ihren anthropologischen Abhängigkeiten) und ihre Annahme von den anderen verlangt].

Der deskriptiven Entscheidungstheorie begegnet der Forscher systematisch dargestellt im monumentalen, was die an ihm ausgeübte Kritik angeht, Werk von P. Kondylis, Macht und Entscheidung. Die Herausbildung der Weltbilder und die Wertfrage. Die ganze kondylissche “deskriptive Entscheidungstheorie” kann hier praktisch nicht dargestellt werden, obwohl so was für ihre kritische Interpretation ideal wäre, nämlich einer Wort für Wort Prüfung der Theorie. Auf der Grundlage der oben erwähnten Handschrift und anhand der bipolaren hard core-protective belt Unterscheidung als methodologisches Instrument werden jedoch ihre grundlegenden Punkte kritisch geprüft. Die hard core-protective belt Unterscheidung in der deskriptiven Entscheidungstheorie dienen der Darstellung jener Punkte, welche, wenn verworfen, eigentlich die entsprechende Verwerfung ihrer Folgen unnötig erscheint, da die Folgerungen von P. Kondylis als protective belt betrachtet werden. Wenn also belegt wird, dass es Punkte des kondylisschen Denkens gibt, die auch als Kern seiner Theorie fungieren, dann hören sie auf, als Gewährleistung des deskriptiven Charakters seines Ansatzes zu dienen, da selber sowieso in eine Bewertung (wenn auch unausgesprochen) seiner Stellungen gerät (z.B. seine Meinung über die Bedeutung des Freund-Feind Schemas für die Identitätsbildung, die grundlegende Rolle des Geschmacks, was die Orientierung und die moralische Qualität des Menschen usw.). Im selben Fall nehmen wir darüber hinaus an, dass seine Theorie dem Realen zugeordnet wird, sie wird nämlich am sozialen Prozess zurückgekoppelt, was ihre Undichtheit bedeutet. In den folgenden Zeilen gelten also die kondylisschen Definitionen als “hard core” und die zusammenhängende Argumentation sowie die Folgerungen des kondylisschen Denkens als “protective belt”.

Die kondylissche, dezisionistische Theorie wendet sich gegen die vorherigen Theorien, weil sie laut ihrem Gründer strikt deskriptiv ist, was sie zu Denkstruktur (eigentlich Methodologie) macht, anstatt einer Theorie mit Inhalt. Diese Unterscheidung, die Kondylis in Bezug auf seine eigene Entscheidungstheorie und die vorherigen dezisionistischen Theorien einführt, geht nach ihm davon aus, dass während die vorherigen Theorien normativ, “engagierte Entscheidungstheorien” sind, bleibt seine Theorie strikt deskriptiv. Auf dieselbe Argumentation wird auch ein der grundlegendsten Argumente Kondylis’ gegen die Gegner seiner deskriptiven Entscheidungstheorie gestützt. Ich lege hier das Argument vor, genauso wie Kondylis es formuliert hat, um es auf der Grundlage seiner eigenen These zu verwerfen, nämlich dass jede Theorie, die nach ihren Wissenschaftlichkeitskriterien in ihren eigenen Aussagen (Behauptungen) sucht, und solange eine theorieexterne Referenz unmöglich ist, kann sie eigentlich keinen Dialog mit einer anderen Theorie ausführen, und vor allem wenn wir annehmen (wie Kondylis will, was allerdings nicht zutrifft, wie bereit belegt wurde), dass die deskriptive Entscheidungstheorie, als eine “Denkformen” analysierende und nicht Inhalt besitzende Theorie, nicht verworfen werden kann. Wenn man den Qualitätsunterschied zwischen der Entscheidungstheorie und irgendwelcher anderen (normativen) Theorie wahrnimmt, scheinen der Vergleich und die Begründung der “theoretischen Überlegenheit der wertfreien Betrachtungsweise und insbesondere der deskriptiven Entscheidungstheorie gegenüber allen Variationen der normativen Betrachtungsweise” a priori unmöglich. Die Selbstreferenzialität sowohl des deskriptiven Denkens als auch der deskriptiven Entscheidungstheorie ist leicht aus den typologischen Formulierungen Kondylis’ festzustellen sowie aus dem Charakter des deskriptiven Denkens, solange es dabei – laut Kondylis – um eine Denkstruktur und nicht um die Bereitstellung eines theoretischen Inhalts geht: “Die Repräsentanten der normativen Betrachtungsweise können sich keine Argumente gegen die wertfreie Betrachtung vorstellen, die, wenn ausschließlich formell und strukturell geprüft, kaum unterhaltsame Beispiele genau derjenigen Denkweise darstellen, die laut den Feststellungen der deskriptiven Entscheidungstheorie jede normative Theorie kennzeichnet”. Die Selbstreferenzialität des oberen Abschnitts – abgesehen davon, dass sie offensichtlich ist – nachdem sie zunächst die Form-Inhalt Unterscheidung der entgegen gesetzten Theorien (nämlich der deskriptiven und der normativen Theorie) “wiedereinführt”, führt Kondylis zu Widerspruch, wenn er behauptet, dass die Argumente, die sich in Bezug auf ihren Inhalt gegen die deskriptive Entscheidungstheorie wenden, “bloß subjektive Verwerfung und zugleich unabsichtliche objektive Bestätigung der Theorie darstellen”. (IA, Seite 221). Abgesehen davon, dass Kondylis den Sinn der Unterscheidung zwischen subjektiver Verwerfung und objektiver Bestätigung (nämlich die Art und Weise, wie die deskriptive Entscheidungstheorie von einem Gegner zwar verworfen werden kann, jedoch diese Verwerfung ihr objektive Gültigkeit verleiht, ohne dabei die Möglichkeit wahrzunehmen, dass ihre Verwerfung von den meisten ihrer Gegner eigentlich dem normativen Denken objektive Gültigkeit und der angeblichen Deskriptivität subjektiven Charakter verleiht) nicht ausführlicher erklärt, gerät er in Widerspruch, indem er die Konfrontation zwischen der deskriptiven Theorie und der normativen Theorien als Gegensatz bezeichnet, wobei er sich auf inhaltliche Argumente seitens des normativen Denkens bezieht. Einfacher: Wie kann ein Repräsentant des normativen Denkens die deskriptive verwerfen (und nicht die Entscheidungstheorie, da letztere Inhalt hat, vgl. ob.) indem er Argumente hinsichtlich ihres Inhalts verwendet, wenn letztere keinen Inhalt hat? Kondylis schließt seine Argumentation, indem er erwähnt, dass “die Stichhaltigkeit der deskriptiven Entscheidungstheorie sich genau in den Zweifeln ihrer Gegner festzulegen, solange sie für Strukturen und nicht für Inhalte gehalten werden”. Wie können allerdings die gegnerischen Theorien von ihrer Polemik gegen die deskriptive Entscheidungstheorie auf der Grundlage ihres Inhalts (Macht, Selbsterhaltung usw.) ausgehen, und sie zugleich (als Denkform) bestätigen, wenn sie auch als Denkformen wahrgenommen werden? Wenn im Endeffekt der Inhalt der deskriptiven Entscheidungstheorie sich verwerfen lässt (wie oben der Fall ist), und nur ihr Charakter als Denkform unangetastet bleibt, warum soll man dann nicht annehmen, dass die “deskriptive Entscheidungstheorie” inhaltlich leer ist, und als solche vom Anfang an nicht als Theorie betrachtet werden soll? Dazu bietet Kondylis nur eine ganz allgemeine Antwort an, und zwar dass “diese theoretische Vorteile der deskriptiven Entscheidungstheorie darauf zurückgehen, dass sie ausschließlich Denkstrukturen forscht und keinen Inhalt als gegnerisch betrachtet; sie bietet ihrerseits folglich keinen Inhalt (bis auf die Beschreibung von Denkstrukturen in ihren anthropologischen Abhängigkeiten) an und verlangt von den anderen, dies zu akzeptieren”. Es liegt natürlich auf der Hand, dass die “deskriptive Entscheidungstheorie” nicht nur Inhalt anbietet, sondern auch dass indem sie dies tut, auf ihren formellen (nur laut Kondylis) Charakter verzichtet. Kondylis lässt natürlich die einfachste Möglichkeit außer Acht, nämlich, dass die Gegner der Theorie sich nicht nur gegen die “deskriptive Entscheidungstheorie” nicht wenden, sondern eigentlich ihre Existenz durchaus ignorieren (was hier – um einen kleinen Witz zu machen – nicht der Fall ist). In diesem Fall lassen sich die Begriffe umkehren, welche die deskriptive Entscheidungstheorie begleiten, und letztere wird dann als die gegnerische Theorie (gegen die normativen Theorien) bezeichnet; d.h. dass sie als solche sich anhand ihrer Polemik konstituiert. Außerdem, (und dies könnte für Kondylis nicht anders sein) konstituiert sich der Charakter der deskriptiven Entscheidungstheorie nach ihre Polemik gegen nicht nur die vorherigen Entscheidungstheorien, sondern gegen das normative Denken an sich, eigentlich bevor die theoretische Reaktion letzterer geäußert wird. Wenn für Kondylis das polemische Denken eigentlich der Stellungen konstitutives Denken ist und der logischen Argumentation voraus kommt, wie kann das Fehlen von Feinden “(zumindest ihrerseits)” mit ihren Entstehungsbedingungen, welche von ihrem konstitutiv gegnerischen Charakter diktiert werden, verbunden werden? Dieser Fragen kann die deskriptive Entscheidungstheorie nicht nachgehen und der Grund dafür ist, dass die kondylissche “deskriptive Entscheidungstheorie als zyklische Theorie bezeichnet werden kann. Kondylis hält die Dekonstruktion seiner deskriptiven Entscheidungstheorie für unmöglich und ist gegen die Argumentation, die auf ihre Relativierung zielt. Das ist durchaus verständlich, gegeben dass er sich gegen seine theoretischen Gegner wehrt. Er ignoriert allerdings das Argument des zenonschen dialektischen Denkens sowie der euklidischen Geometrie, die von der Annahme dessen ausgehen, was sie eigentlich zu verwerfen versuchen. Im Kondylis’ Fall kann das zenonsche Argument folgend paraphrasiert werden: “Ich kann die Wahrheit des kondylisschen Ansatzes annehmen, um ihn dann zu verwerfen, solange er widersprüchlich ist”. Dies ist der Fall des Skeptizismus. Wenn wahr ist, dass nichts wahr ist, dann ist nicht wahr, dass «nichts wahr ist», also «etwas» ist doch wahr”. Abgesehen allerdings vom zenonschen/euklidischen Argument scheint Kondylis zu ignorieren, dass sein eigenes Argument dem deduktiven wissenschaftlichen Erklärungsmodel folgt, welches methodologisch wegen der bestimmten Übergangsweise der Wahrheit von den Annahmen zu den Folgerungen fragwürdig ist. In unserem Fall ist das kondylissche Argument nicht nur deduktiv, sondern gehört zur besonderen Argumentklasse, die voraussetzt, dass die Wahrheit zur Folgerung durch eine und nur eine Annahme übergeht. Die Unterscheidung allerdings zwischen dem deskriptiven Denken und der deskriptiven Entscheidungstheorie sowie der Vorwurf, dass letztere zyklisch ist, hängt eigentlich nicht mit ihrer Selbstreferenzialität zusammen, wofür sie als ungültig beklagt worden ist, da die Selbstreferenzialität einer Theorie, wenn sie sich aus dem Zusammenhangsgrad ihrer methodologischen Instrumenten/Begriffen ergibt, nicht unbedingt ihre Ungültigkeit bedeutet. Der Vorwurf, sie sei zyklisch, kann ihren deskriptiven Charakter in Frage stellen, wenn (falls) sie jedem, der sie als richtig annimmt, die angemessene Verhaltensweise aufzwingt, insbesondere wenn man wahrnimmt, dass das methodologische Instrumentarium zum Inhalt seiner Theorie wird, selbst wenn Kondylis dies nicht wollte. Einfacher: Die Selbstreferenzialität der Entscheidungstheorie bleibt auf theoretischer Ebene, während ihre Zyklizität (weswegen sie sich als strikt normativ in Frage gestellt wird) konstituiert sich anhand der Theorie-Praxis Einheit, die sie diktiert. Kondylis selbst natürlich behauptet ausgesprochen, dass er keine bestimmte Verhaltens„methode“ aufzwingt. Stattdessen übernimmt seine Theorie dieses schwierige Werk.

Was das Gegenargument zum Dezisionismus angeht, nämlich das Argument, welches die Belegung verbindlich sinnvoller Institutionalismen anstrebt, die die Bedingungen sozialer Reproduktion regulieren, obwohl Kondylis akzeptiert, dass die Wertobjektivität, auf die sich das bestimmte Argument beruft, auf Gesellschaftsebene gilt, schließt er durchaus die Möglichkeit aus, dass diese Objektivität „tatsächlich objektiv“ ist. Was jedoch die Objektivität seiner Betrachtung sicherstellt, bleibt ein offenes und unlösbares Problem, im Sinne dass, abgesehen von dem, was hier erwähnt wird, seine theoretischen Verallgemeinerungen genau wegen ihrer Undichtheit in Frage gestellt werden können. Wenn im Endeffekt Kondylis nicht die Methode, sondern noch eine Methode vorschlägt, wie lässt sich die so häufige Verwendung von Argumenten legitimieren, die bei ihrer Ausformulierung Adverbs und Adjektive beinhalten, die direkt auf eine Allgemeine Theorie hinweisen?

Zum Schluss kann der ganze kondylissche Ansatz als von einer behavioristischen Sichtweise diktiert betrachtet. Macht, Selbsterhaltung, verhaltensgemäß maximale Nützlichkeit und andere Elemente der deskriptiven Entscheidungstheorie weisen auf behavioristische Theorien hin. Der Behaviorismus natürlich kann, als ein indirekter Manipulations- und Kontrollversuch des menschlichen Verhaltens, eine ernst zu nehmende Bedrohung gegen die menschliche Autonomie darstellen. Auf diese Interpretationsweise des Behaviorismus bewegte sich die Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse, Habermas, Apel); mehr darauf zu sagen, wäre unnötig.

Schließlich kann der kondylissche Ansatz als wissenschaftlich betrachtet, der eher einem discovery als einem justification Kontext ähnelt (immer laut dem Dogma des Logischen Empirismus von Reichenbach, innerhalb dessen eine deutliche Unterscheidung zwischen einem context of discovery und einem context of justification besteht, mit dem Reichenbach sich hauptsächlich befasst). Kondylis nämlich nur “entdeckt Gesetze”, als ihre Existenz zu begründen (und darin natürlich besteht ein Minimum an Deskriptivität, was allerdings nicht reicht, um seiner „deskriptiven“ Entscheidungstheorie einen deskriptiven Charakter zuzuschreiben.

Natürlich sind Sachverhalte wie die bereits skizzierten für Kondylis nicht von grundlegender Bedeutung, da er die Philosophen, die sie von Zeit zu Zeit untersucht haben, abwertend als Normativisten bezeichnet, während er für sich, wie dargestellt wurde, (nur) den Charakter des deskriptiven Denkers bewahrt. Die Oberen bedürfen natürlich einer Kritik von innen her. Damit deutlicher wird, was unter einer «Kritik von innen» verstanden werden soll, wird das folgende Beispiel gebracht: Die von Kondylis eingeführte Unterscheidung zwischen seiner Theorie und den vorherigen dezisionistischen Theorien besteht laut ihm darin, dass während die vorherigen Theorien normative, “manipulierte Entscheidungstheorien” sind, bleibt seine eigene Theorie strikt deskriptiv. Anhand der Bedeutung des Erklärungsschemas Freund-Feind für den kondylisschen Erklärungsversuch des sozialen Geschehens kann allerdings zum einen das Auftauchen aus seinem methodologischen Instrumentarium von Werthierarchisierungen festgestellt werden, und zwar als er sich in seinem ganzen Werk immer wieder auf die Feststellungsunmöglichkeit sowohl von Begriff- als auch von Wertobjektivität beruft, und zum anderen eine dezisionistische Normativität herausgelesen werden, solange absolut übergeschichtliche Interpretationskriterien des “Sozialen” spontan ausgewählt werden. Er selber zieht andauernd von der Geschichte und ihrer Niederschrift zusätzliche Argumentation zur Unterstützung seiner Thesen. Obwohl er ein wissenstheoretischer Skeptizist ist – differenziert von den vorherigen Skeptizisten – objektiviert er dieses Erklärungsschema, jedes Mal als er es als absoluten Interpretationsschlüssel der sozialen “Phänomene” verwendet. Somit kann gesagt werden, dass Kondylis im Endeffekt gute Kenntnis der menschlichen „Sachen“ hat und zwar so gute, dass er die Gesellschaft interpretieren kann.

In allen diesen Verallgemeinerungen (biopsychisches Phänomen, existentielle Manipulation usw.) vergisst Kondylis, dass es die rein natürlichen Bedingungen sind, wie z.B. das Klima, das Geschlecht, der kulturelle Status, die Klassenherkunft und -bewusstsein, welche “die Orientierung des Subjekts”– besser seine Stelle in der Welt bestimmen. Er gerät eigentlich in einen Ontologismus, eine a priori Welttheorie. Es liegt auf der Hand, dass an den meisten Stellen seines Werks die Tendenz herrscht, das „Soziale“ auf der Grundlage jener schon konstituierten Theorie zu erklären, anstatt die Theorie (als entwickelnde und nicht statische) an die unterschiedlichen Aspekte des Sozialen anzupassen, anstatt also sie zum einen auf Grund des Generellen zu konstruieren (was eine sich selbst als „deskriptiv“ bezeichnende Theorie anstreben sollte) und zum anderen, ausgegangen von ihrem differenzierten Charakter, ihre Anpassung an die Vielfältigkeit des Generellen in Anspruch zu nehmen, bei der Formulierung ihrer Argumente, also eigentlich “die Welt an die Theorie” anstatt “die Theorie an die Welt” anzupassen. Ausführlicher: Jedes normative Denken, das sich selbst ernst nimmt, soll alle Parameter des polischen und sozialisierten Lebens wahrnehmen. Nach Kondylis werden diese Parameter unter dem Aspekt allgemeiner Begriffe, wie Macht, Geschmack, Melancholie, Freund-Feind gruppiert und interpretiert.

Gegen die Welt, wie C. Schmitt sie beschreibt und dessen Beschreibung Kondylis übernimmt, indem er Steine gegen das Rationalitätsgebilde in seiner klassischen Version wirft, kann folgendes gesagt werden: Jedes Mal dass Kondylis einen Stein gegen das Rationalitätsgebilde wirft, trägt dieser Stein zur Entwicklung jenes Gebildes, da er mit jedem Wurf sich gegen den kritischen Rationalismus wendet, nämlich gegen die Entwicklung des Denkens im Kontext der kritischen (dialektischen) Rationalität, in Bezug auf die politische Handlung, in einem reflektiven Rahmen, und dies weil Kondylis selbst in seinen Einschätzungen seiner Dissertation, nämlich des ersten Steins gegen das “normative Denken”, eher zwischen rationalem oder irrationalem und normativem oder nicht normativem Denken als zwischen kritischem oder unkritischem Denken unterscheidet. Kondylis missbraucht einen Teil des begrifflichen Instrumentariums der Philosophie, um festzustellen, dass die Zugrundelegung mancher Begriffe gegen andere eventuell unmöglich ist. Es wäre viel besser für ihn, am relevanten Dialog gar nicht teilzunehmen. Wie bereits dargestellt, ist die Zugrundelegung der moralischen Werte unmöglich.

Es bleibt allerdings fragwürdig, wie der Übergang von der “deskriptiven Entscheidungstheorie” zu ihrer praktischen Anwendung vom gnostischen Subjekt in der kondylisschen Betrachtung vollzogen wird. Nämlich wie der Leser von der Wahrnehmung der Tatsache, dass die Subjekte zum Zweck ihrer Machtverstärkung – aus psychologischen Gründen – handeln, zur Praxis im privaten oder kollektiven Leben gelangt? Die Frage hebt sich natürlich ab in Fällen (wie schon dargestellt), wo die geringste Ahnung nicht nur von Machtverstärkung, sondern auch von der Existenz von Machtverhältnissen fehlt. Die sozialpolitischen Verhältnisse stellen jedoch rein Machtverhältnisse dar. Falls die Argumente über die methodologischen und inhaltlichen Fehler Kondylis’ in der vorliegenden Schrift nicht überzeugend waren, kann die kondylissche Sichtweise umgekehrt betrachtet werden: Primär als Machtverstärkungsversuch der weniger Begünstigten und sekundär als Regulierung der sozialen Reproduktion zugunsten der weniger Begünstigten (Rawls). Eine Rechtstheorie, welche die Lücken der rein rechtlichen Theorie der Grundnorm von Celsus überwinden würde und die Empirie sowie alles, was die Geschichte zu lehren hat, als Partner hätte, würde sich als wertvoller Beitrag zu einer philosophischen Betrachtungsweise bezeichnen, welche die Stellungen Kondylis’ zur Wertfreiheit und Deskriptivität verwerfen würde, eine Deskriptivität, die außer Betracht lässt, dass jede Handlung innerhalb einer Gesellschaft eine soziale und politische Handlung ist, und als solche sich auf Normen bezieht. In den Fällen, wo der von Kondylis geworfene Stein gegen das kritische, rationale Argument eine Glassscheibe des Gebildes zerbricht, wird die Glassscheibe repariert, nicht das Gebilde gewechselt.

Schließlich weise ich auf die Notizen von einem der letzten Seminare           des unvergesslichen Professors, K. Psychopedis’: “Die normative Version interessiert sich für die Entwicklungsmöglichkeit einer globalen Menschenrechtenkultur und die Durchsetzung von Regulierungen, die diese Rechte verwirklichen werden. Die Globalisierung der menschlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte könnte laut dieser Version die Zerstörung verhindern, die sich aus der neoliberalen Globalisierung der Märkte ergibt, welche auf globaler Ebene die Klassenunterschiede zuspitzen lässt und die Umwelt zerstört. Diese radikale Version versucht, den Sinn des revolutionären Handelns für die moderne Zeit zu untersuchen, den Begriff der Bürgerherrschaft unter Bedingungen globaler Gesellschaft. Diese Version stellt in Frage, dass die zerstörerische Auswirkung der globalen Verbreitung der kapitalistischen Organisierungsbedingungen des sozialen Lebens nur durch Regulierungen im Einklang mit allgemeingültigen normativen Prinzipien zu verhindern ist. Sie untersucht die Verhältnisse, die sich durch die bestimmte Organisierungsform der Wirtschaft, die Geldakkumulation, die Militarisierung und die Verarmung im größten Teil der Welt herausbilden und die Bedingungen, welche Allianzen zwischen den Betroffenen ermöglichen könnten, diesen Zustand auf globaler Ebene in Frage stellen würden und das wissenschaftliche und technologische Wissen und die kommunikative Infrastruktur, die schon zur Verfügung der globalen Gesellschaft als Ergebnis kollektiven Handelns ihrer Mitglieder steht, in Anspruch nehmen würde. Forderungen, wie der generalisierte soziale Lohn, der freie Zugang zum Wissen und zur Kommunikation und die Restauration der Koordination zwischen den Betroffenen erfordern dauerhafte Konfrontationsbereitschaft. Dem reformistischen Programm der Achse «Rechte/Regulierungen» setzt sich ein Programm radikaler Übergangshandlungen «von Betroffenheitsbedingungen auf Werte» entgegen. Von Werten auf Normen durch Autonomie/Konfrontation/Regulierung», Handlung, welche innerhalb und außerhalb der Institutionen der globalen Gesellschaft reproduziert wird”.

Petros Lazos.

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